Freitag, 08 Juni 2018 19:13

Die Kunstmesse 2018 ist eröffnet | Highlights und Empfehlungen | Update: Bilder

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kunstmesse eroeffnet348Ingolstadt | Raffinierte Lichtmalerei mit Wellen aus Wasser, messerscharfe Video-Installation zum Wesen juristischer Wortgefechte, Fliegen (Lucilia Sericata) die mittels Software zu Konstrukteuren werden. Die digitalen Beiträge, die bei der Kunstmesse 2018 besonders kuratiert wurden, zeigen sich als Erlebnis und echter Zugewinn. Die Kunstmesse soll als große bayerische Produzentenmesse mit mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern eher Kunstmarkt als Ausstellung sein. Die digitalen, multimedialen Beiträge bleiben da etwas außen vor, weil nicht einfach so verkäuflich. Doch sie gehören zu den Highlights dieser Kunstmesse 2018 und bleiben in Erinnerung – meditative Schönheit aus Licht, Wasser und Bewegung, Mulitmedia mit Witz und Raffinesse. Dazu technische Präzision, gut nachvollziehbare Ideen und perfekte Umsetzung. Das alles bringen die digitalen KünstlerInnen Alice Strunkmann Meister, Cendra Polsner (Foto li.), Tatjana Potechin und Elias Naphaus (Foto re.) mit, die für den Sonderbereich "Digitale Kunst" ausgewählt und gefördert wurden. Sie sind in der Reithalle zu sehen und schaffen die besondere Momente, die man selbst erleben sollte. Ein guter Grund die diesjährige, fünfte Kunstmesse im Klenzepark zu besuchen.

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Und hier noch mehr gute Gründe, für die Kunstmesse 2018 - nach einem ersten Rundgang am Eröffnungsabend, meine persönliche Empfehlungen.

Der Maler, Grafiker, Zeichner Bodo Rott. Faszinierende Bilder, die man sehen muss! Ich stelle hier einen Beitrag von Isabella Kreim (Kulturkanal) ein, um ein Eindruck zu geben und für einen Besuch ausdrücklich zu werben. Bodo Rott – Verzerrte Gärten und Nichtkind-Kinder. Der Künstler spricht gerne und sehr informativ über seine Arbeiten. Er ist übrigens gebürtiger Ingolstädter, lebt in Berlin, lehrt "Plastisches Gestalten" an der Uni Cottbus. Exerzierhalle E 19.

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Clemens Hutter. Stahlbildhauer. Seine „Frostsprengungen“ bei der Bearbeitung der schweren Stahlskulpturen beeindrucken. Nicht nur Feuer, auch Eis kann also Stahl formen und dabei sogar eigene Linien und Formen schaffen. Die großen und kleinen Stahlobjekte nicht nur betrachten, sondern sich vom Künstler den Prozess der Frostsprengung erklären lassen. Reithalle R15.

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Anna Schölß. Die Malerei der Akademiekünstlerin begleitet die Kunstmesse und ihre Besucher von Beginn an (und auch umgekehrt). Ihre Bilder haben Intensität, Bewegung, Geschichte. In diesem Jahr gibt sie dem Weiß in seinen vielen Farbschattierungen Raum in ihren Bildern. Exerzierhaus E 29. In der gleichen Koje die filigranen Edelmetallarbeiten von Juliane Schölß.

Ludwig Hauser. Der Künstler, der in Ingolstadt lmit Kunstwerken im öffentlichen Raum sehr präsent ist, überrascht mit einer Serie von Bildhauerarbeiten zu Köpfen und Gesichtern. Aus Stein. In Stein. Zart, spröde, intensiv.  R10. Eher am Rande zeigt Hauser "Urnensteine", Grabsteine für Urnenbestattungen, die wie archaische Markierungen wirken oder wie Kunstobjekte - nach diesen fragen, sie sind nur als Foto am Rande der Koje zu sehen und sehr interessant - als einzelne Objekte, für eine andere Grabkultur.

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Die "Hauser-Koje". Ludwig Hauser und Johannes Hauser haben gemeinsam diesen Raum belegt. Hierfür einen Moment Zeit nehmen und auf sich wirken lassen, was Bildhauer und Fotograf uns zeigen. R 14.

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Der Fotograf Johannes Hauser, gleich gegenüber, R30. Neben seiner erfolgreichen Serie „nach oben“, die spannend bleibt und uns weiterhin neugierig hält, zeigt er neue Arbeiten. Darunter die Fotografie einer Straßenszene in Tokio, die mit ihren Schatten fast formal wird und doch das Interesse an dem Moment weckt, in dem die Menschen gerade unterwegs sind. Ein (mir) neuer Blick des Fotografen.

Verlassene Häuser, vergessene Plätze, Unorte einer Stadt. Dass hierin Beklemmendes liegt, dass Orte Unwirtlichkeit ausstrahlen und Haustüren abweisend sein können, zeigt der Künstler und Fotograf Hubert P. Klotzeck. E 36. Mit seinem Gespür für (Un)Orte und Lost Places und der  künstlerischen Umsetzung gelingt es ihm, die unterschiedlichen Stimmungen spürbar zu machen, ohne die vielziitierte Schönheit des Morbiden bemühen zu müssen. Es entsteht Interesse. An der Leere, der Verwahrlosung, unwillkürlich kommen Fragen auf - wo ist das, wer hat da gewohnt, warum ...

Zwirn & Zwille. Filz-Kunst. Kunsthandwerk. Objekte. Filz und Form, Designt aus Eichstätt. Reithalle R1.

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Dagmar Hummel und Fredrik Lindqvist. Die Malerin Dagmar Hummel überrascht mit kleinformatigen, hintergründigen Collagen „Donald erklärt uns die Welt“. Gegenüber die großen Holzschnitte von Lindqvist auf Stoff. Seine Motive sind hardrock-wild oder familiär. Man sollte sie real gesehen haben, Abbildungen davon geben das Sinnliche seiner textilen, genähten und bedruckten Arbeiten nicht wieder. Exerzierhalle Koje 23/24 - und nicht vergessen zu schauen, was Donald uns über die Welt sagt.

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Reinhard Dorn. Fotograf und digitaler Künstler. Faszinierend wie er seine Fotografie mit der malerischen Bildsprache „alter Meister“ verbindet oder wie er Bilder zu vielen Schichten übereinander legt, und dabei mit Entblößung, Verdeckung oder pornographischen Momenten spielt. Seine Arbeiten fordern einen zweiten und dritten Blick heraus, der vielleicht erstmal etwas vorsichtig ist … E 38. Einen Einblick in seine Arbeiten hier auf K10.

Susanne Pohl und Stephan Wanzl-Lawrence, arbeiten beide mit der feinen Technik der Radierung, gerne auch mal zusammen an einer Zeichnung, einem gemeinsamen Buch. Auf der Kunstmesse zu sehen sind Kleinformate mit skurrilen Geschichten, Landschaften und Natur, deren Stille man nicht stören möchte oder menschliche, allzu menschliche, Figuren in Situationen und Beziehungen. Mein persönliches Highlight der letzten Kunstmesse 2016 und auch dieses Jahr wieder ein „unbedingt ansehen“. E 39/40.

Wer Beate Diao von ihrer Kunstschule kennt, von den großartigen Kunst- und Streetartevents, mit denen sie viele Menschen bewegt, und als stv. Vorsitzende des BBK, interessiert sich auch dafür, wie sie sich als Künstlerin ausdrückt. In Koje E 42 zeigt sie Holzschnittarbeiten. Motive wie Insekten oder Gehirne stellen sich als das dar, was sie sind oder als Symmetrien, Strukturen, Linien - Ornamente.

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Einen anderen, ebenso spannenden Umgang mit Linien und Strukturen zeigt Karin Roth. Beeindruckend, welche Wirkung das Setzen paralleler Linien haben kann, welch unterschiedliche Strukturen und Farbfelder sie damit schaffen kann. Präzise, minimalistisch und vielfältig. E 6.

Arbeiten aus Seidenkokons - die (fast) textilen Objekte von Walter Bausenwein. R 25.

Richard Gruber. Skulpturen als Karikaturen, ür drinnen und draußen. Menschlich, tierisch, hintersinnig, gut gemacht. Unten Gruber auf der Kunstmesse mit  "Müllers Er" und "Müllers Sie". R12.

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Werner Kapfer. Seine großformatigen Werke sind Farbfelder aus Gelb, Grün, Licht - eine intensive Auseinandersetzung mit Farbe und Wirkung. Sie ziehen an und laden ein, sich in ihnen zu versenken oder sich mit ihrer Energie aufzuladen. E 5.

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Als BBK-Vorsitzender gehört Werner Kapfer zu den Verantwortlichen für die Kunstmesse und plädierte in seiner Eröffnungsrede für Kunst im öffentlichen Raum, für eine bewusst gestaltete und real erlebbare Stadt, die Alle zur Begegnung, zum Gespräch, zur Kommunikation einlädt. Gerade heute, wo die Arbeits- und Lebenswelt zunehmend digital und virtueller werde. Es gehe dabei auch um die Stärkung des Sozialen. „Kunst kann ein Anfang sein - für Begegnung, für Gespräch, für Gedankenaustausch." unterstreicht Kapfer seine Einladung zur Kunst in Ingolstadt.

In diesem Sinne viel Freude bei der diesjährigen Kunstmesse 2018. Wir sehen uns!

www.kunstmesse-ingolstadt.de

Freitag, 08.06.2018, 14.00-20.00 Uhr
Samstag, 09.06.2018, 10.00-20.00 Uhr
Sonntag, 10.06.2018, 10.00-18.00 Uhr

Mit Kunstcafé drinnen und draußen sowie Kinderspielplatz gleich neben der Exerzierhalle.

Bildnachweis | Fotos ©Petra Kleine | K10
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