k10 redaktion

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348logoneuesichtIngolstadt | Neue Sicht e.V. lädt ein zur Auftaktveranstaltung am 8. April um 19 Uhr im Altstadttheater. Neue Sicht e.V. vernetzt die Kulturschaffenden und die Kreativen in und um Ingolstadt, macht ihr Potential sichtbar, vertritt ihre Interessen und gestaltet aktiv mit.

Eingeladen sind alle, die sich für den neuen Verein interessieren, aber im Besondern natürlich die Kreativen der Stadt und der Region 10 rund um die Städte Eichstätt, Neuburg, Pfaffenhofen, Schrobenhausen.

Am Auftaktabend werden die Inhalte und Vereinstätigkeiten vorgestellt, Veranstaltungsformate und auch die Ziele des Vereins. Begrüßen werden sie der Vorstand, Sigrid Diewald, Sabrina Wobker, Helene Brem-Keil, die Gründungsmitglieder, sowie Kevin Reichelt der durch den Abend begleiten wird. 

Der Kreativmarkt unterteilt sich in folgende Bereiche: Buch-, Architektur-, Presse-, Werbe-, und Kunstmarkt, sowie Film-, Musik-, Rundfunk-, Designwirtschaft, als auch Software- | Games- Industrie und Markt für darstellende Künste.

 

 Unten die Bilder vom Abend. Neue Sicht voraus!

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: © Petra Kleine

 

348 20minmax Julie BoehmIngolstadt 20minmax 2019 holt die Welt des Kurzfilms wieder nach Ingolstadt, inzwischen zum 13. Mal. Über 2500 Einreichungen kamen weltweit – von Neuseeland bis Jordanien. Vom 29. März bis 6. April werden nun die Besten der Besten gezeigt und vom Publikum oder einer Jury nochmal aisgewählt und prämiert.

Auch das Highlight der letzten Festivaljahre kommt wieder: „A Wall is a Screen“, der cineastische Stadtrundgang, startet am Samstag, dem 30. März um 20:15 Uhr vor dem Stadttheater. Bei jedem Wetter!

Am Tag davor, am Freitag, 29. März, beginnt die 13. Ausgabe des Internationalen Kurzfilmfestivals 20minmx um 20:00 Uhr in der Werkstattbühne des Stadttheaters mit dem Süd-Preis für den besten Film aus dem Süden Deutschlands.Eintritt frei! Das Publikum wählt aus fünf Kurzfilmen den Preisträger des „Southern Film Award“. Im Anschluss zeigt ein Sneak Preview Highlights der Festivalwoche.

Und ab dann dreht sich in Ingolstadt acht Tage lang alles um Kurzfilme, im KAP94, im MKK, im Audi Programmkino und in der Werkstattbühne. Viele internationale Gäste reisen an, um die Aufführung ihrer Filme mitzuerleben und freuen sich auf das Ingolstädter Publikum.

Höhepunkt und Abschluss ist die Preisverleihung im Kulturzentrum neun mit allen preisgekrönten Filmen und zahlreichen internationalen Gästen.

Infos und Tickets unter 20minmax.com.


Veranstaltungen 20minmax 2019

29. März, 20:00 Uhr, Werkstattbühne im Stadttheater
20minmax Festivaleröffnung
Süd-Preis und Sneak Preview
Eintritt frei

30. März, 20:15 Uhr, Theatervorplatz
A Wall is a Screen
Cineastischer Stadtrundgang
Eintritt frei

31. März, 17:00 Uhr, MKK
20minmax Vernissage
Kunst- und Experimentalfilme
Eintritt 5 €

31. März, 20:00 Uhr, KAP94, Jahnstr. 1a
Weird Movies Night 2019
Eintritt: 5 €, Abendk. 6 €

1. April, 20:00 Uhr, Audi Programmkino
20minmax Kurzfilmwettbewerb #1
Eintritt: 5 €

2. April, 20:00 Uhr, Audi Programmkino
20minmax Kurzfilmwettbewerb #2
Eintritt: 5 €

3. April, 20:00 Uhr, Audi Programmkino
20minmax Kurzfilmwettbewerb #3
Eintritt: 5 €

4. April, 17:30Uhr, Audi Programmkino
Auswahl der Jugend Jury
Eintritt: 5 €

4. April, 20:00 Uhr, Audi Programmkino
20minmax Kurzfilmwettbewerb #4
Eintritt: 5 €

5. April, 20:00 Uhr, Audi Programmkino
Brand Films Special
Eintritt: 5 €

6. April, 20:00, Kulturzentrum neun, Elisabethstr. 9a
20minmax Closing Night
Preisverleihung und Party
Eintritt 6 €, Abendkasse 7 €

 

www.20minmax.com

 

Fotonachweis | © Julie Boehm | Film "Paris you got me" | Freitag 29. März ab 20 Uhr in der Werkstattbühne des Stadttheaters

 

348 tanztage19Ingolstadt | Ingolstadt hat wieder ein Tanzfestival. Das Kulturzentrum neun veranstaltet dieses Jahr zum ersten Mal ein Tanzfestival. Ziel ist es, zeitgenössischen Tanz in allen Facetten wieder in der Stadt zu verankern. „Die Tanztage Ingolstadt 2019“, so der schlichte Titel der ersten Edition des Festivals, dauern vom 9. bis 16. März.

Eröffnung 9. März | Eintritt frei! in der P3

Eröffnet werden die Tanztage am Samstag, 9. März, um 20 Uhr, im P3 (Peisserstraße 3) mit dem Kick-Off der Reihe „Werkstücke Tanz“. Mehrmals im Jahr werden künftig professionelle Tänzer/-innen und Performer/-innen eingeladen, ihre aktuellen Werke zu zeigen und so dem Publikum einen Blick auf individuelle, nicht institutionalisierte Performancearbeit zu ermöglichen. Den Auftakt leisten die israelische Tänzerin Kerem Shemi, der Münchner Mathias Schwarz im Duett mit Ornella De Masi, die Düsseldorfer Sören Niewelt und Jessica Larbig mit Yamile Anaid Navarro Luna und Marion Plantey mit der jungen Wamma Young Company.

Weiter geht es am Montag, 11. März, um 20 Uhr, im Kulturzentrum neun (Elisabethstraße 9), mit dem 1992 gegründeten, russischen Chelyabinsk Contemporary Dance Theatre um Olga Pona. Sie stellt in „Different“ die Frage nach dem Wesen des Tanzes und enthüllt die Persönlichkeiten der Tänzerinnen, die bei der Arbeit in einer Company oft hinter synchronen Bewegungen und körperlicher Ähnlichkeit zurücktreten.
Aus Italien stammt die gefeierte imPerfect Dancers Company, eine an die Oper Pisa angeschlossene Company. Sie bringt am Samstag, 16. März, um 20 Uhr, im Kulturzentrum neun ihre Produktion „Lady Macbeth“ auf die Bühne. Das Werk ist inspiriert von Shakespeares zeitloser Tragödie und konzentriert sich hierbei auf die vernichtende Liebesgeschichte zwischen Macbeth und seiner Frau - ein Drama über Leben und Tod und die mehrdeutigen und vielschichtigen Beziehung zwischen den Menschen.

Workshops
Workshops für Kinder
Neben den Bühnenabenden nehmen die Workshops der „Tanztage Ingolstadt 2019“ einen wichtigen Teil ein. Das erfahren schon die jüngsten Teilnehmer/-innen in den Kindertanzworkshops (für Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren) zum Thema „Nils Holgersson“ am Wochenende vom 9. und 10. März. Diese bereiten die Kinder darauf vor, am 10. März bei der Aufführung des Kindertanztheaters „Nils Holgersson“ (für Kinder ab vier Jahren) mit den professionellen Tänzern/-innen um Choreographin Judith Seibert auf der Bühne zu stehen.
Die Workshops finden am Samstag, 9. März, von 11 bis 13.30 Uhr und am Sonntag, 10. März, von 13 bis 14.30 Uhr, in der „Tanzwerkstatt“ (Manggasse 8) statt.
Aufführung des Kindertanztheaters
Die Aufführung des Kindertanztheaters „Nils Holgersson“ ist am Sonntag, 10. März, um 16 Uhr im P3 (Peisserstraße 3)


Workshops für Erwachsene
Erwachsene hingegen sollten sich den 9. März reservieren. An diesem Tag lehren die Tänzer/-innen der Reihe „Werkstücke Tanz“ ihre Kunst in drei einstündigen Kurz-Workshops.
- 14 bis 15 Uhr: Kerem Shemi: From Kung Fu into Dance (Workshop in Englisch)
- 15.30 bis 16.30 Uhr: Mathias Schwarz: Floorwork
- 17 bis 18 Uhr: Sören Niewelt und Jessica Larbig: Partnering – 60 Minuten Zweisamkeit

Unter dem Titel „Eintauchen in die Welt der imPerfect Dancers“ (Workshop in Englisch) lädt am Freitag, 15. März, von 19 bis 21 Uhr die imPerfect Dancers Company dazu ein, Einschränkungen in Fähigkeiten zu transformieren.
Den Abschluss der Workshops bildet der Amerikaner Rusty Lester am 16. März, von 12.30 bis 16.30 Uhr mit seiner Unterweisung in „Taji meets Tanz“.
Die Workshops finden alle in „Die Tanzwerkstatt“ (Manggasse 8) statt.

Zum letzten Mal gab es zeitgenössischen Tanz der Freien Szene in Ingolstadt vor vier Jahren, damals veranstaltet vom Kulturwerk. Die nun erste Auflage der „Ingolstädter Tanztage 2019“ verantwortet das Kulturzentrum neun. Die neun ist Teil der Gemeinnützigen Ingolstädter Veranstaltungs GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Ingolstadt.
www.neun-ingolstadt.de

Kontakt für Pressefragen:
Gemeinnützige Ingolstädter Veranstaltungs GmbH
Marion Benz, Telefon 0841 305-46618

Kontakt für Festivalfragen:
Kulturzentrum neun
Matthias Neuburger, Telefon 0841 305-46607

 

Foto: © photo DanceArt

 

KUS screenshotPfaffenhofen | Der Landkreis Pfaffenhofen hat schon seit langem die Kultur - und Kreativwirtschaft als wichtig für die Region erkannt und aktiv gefördert. Jetzt lädt sie die Kreativen zu einer Umfage ein, um gezielt von den Unternehmen der zwölf Branchen sowie den Frei-, Kunst- und Kulturschaffenden zu erfahren, was an unterstützung gebraucht wird. Auf Basis der Ergebnisse sollen dann in den nächsten zwei Jahren maßgeschneiderte Veranstaltungsformate wie praxisorientierte Workshops, Netzwerkveranstaltungen, Beratungen und Mitmach-Konferenzen stattfinden. Ziel ist, die Akteure zu stärken, auch in ihrem unternehmerischen Selbstverständnis. Zugleich soll die Branche intensiver und nachhaltiger vernetzt werden und als bedeutender Wirtschaftsfaktor sichtbar gemacht werden.

An online Umfrage teilnehmen!
Den Link zur Teilnahme finden Sie hier:
https://www02.surveygrid.com/online/JJ4V/kkw2019

Die Umfrage ist geöffnet bis Freitag, 8. März 2019. Eingeladen sind alle Akteure oder Unternehmer*innen der kreativwirtschaftlichen Branchen - Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt sowie die Software-/Games-Industrie.

Der Landkreis Pfaffenhofen führt diese Umfrage und später dann auch die passgenauen Angebote aus EU-Fördermitteln (LEADER) durch. Das bedeutet, dass der Landkreis ganz gezielt nach Fördermitteln sucht, um ebenso gezielt die Kreativwirtschaft fördern zu können.

Nächste Branchentreffen und Veranstaltungen

19. Februar 2019 | EINLADUNG zur Netzwerkveranstaltung „Kreative im Gespräch“ | 19. Februar 2019, 19.30 Uhr – 21.30 Uhr, Atelier Anita Hörskens, Senefelder Str. 7, 85276 Pfaffenhofen

09.April 2019 | Kollegiale Beratung „Preisgestaltung. Welchen Preis bin ich mir Wert?“ | In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft München | 09.00 – 12.00 Uhr, Akademie Altes Spital, Kirchstr. 9, 86558 Hohenwart

Mehr Informationen www.kkw.kus-pfaffenhofen.de.

Der Landkreis Pfaffenhofen führt diese Umfrage und später dann die passgenauen Angebote aus EU-Fördermitteln (LEADER) durch. Aktiv unterstützt und gezielt gefördert wird die kreative Branche seit etwa 2014 durch Landrat Martin Wolf sowie Johannes Hofner, dem Vorstand des Kommunalunternehmens Strukturentwicklung KUS, der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Seitdem werden regelmäßig Veranstaltungen, Tage der offenen Türen oder Beratungen durchgeführt. Besonders interessant dabei die Kreativ-Bustouren durch den Landkreis, wo man vom Filmstudio über bis zum Atelier viele Einblicke bekommt, hier ein kleiner Film von der ersten KUS.Kreativ.Tour. durch den Landkreis.

Bildnachweis: Aufmacherbild Screenshot der Website der KUS, 22.2.2019

348 blvkk 3Ingolstadt | Der bayerische Landesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft (in Gründung) hat jetzt eine Adresse www.blvkk.de. Zum Launch ihrer Verbands-Website kamen aus ganz Bayern Unternehmer*innen und Akteure der verschiedenen Kreativwirtschaftsbranchen nach Ingolstadt. Theaterleiterin Leni Brem-Keil hatte die Kreativen für dieses zweite Gründungs-Treffen ins Altstadttheater Ingolstadt eingeladen. Sigrid Diewald (schnellervorlauf GmbH Ingolstadt) präsentierte die Seite und bekam ein einstimmiges und begeistertes Go! Es geht sichtbar voran. Bis Ende des Jahres wird auch der kreative Dachverband stehen, darauf haben sich alle inzwischen verständigt. Andere Fachverbände und Vereine aus den zwölf KuK-Branchen, z.B. aus der Musikwirtschaft, sind bereits bei der Errichtung des gemeinsamen Daches dabei, informiert Carola Kupfer vom Forum Kultur- und Kreativwirtschaft Regensburg e.V., eine der Initiatorinnen. Die Ziele des BLVKK als wirtschaftlicher Interessensverband sind in Grundzügen klar: es geht um Lobbyarbeit und Vernetzung, mehr Sichtbarkeit der Branche, um Förderprogramme und Projekte, aber auch ganz praktisch um möglichen Rechtschutz und Versicherungen.

Christian Rost aus Leipzig hat eine solche landesweite Interessensvertretung schon erfolgreich gegründet - Kreatives Sachsen, das Sächsische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft. Deutschlandweit ist dies die erste Fördereinrichtung, die „aus der Branche für die Branche“ von der Kultur- und Kreativschaffenden selbst getragen wird. Von Sachsen lernen also? Es war ein Austausch von Akteuren, die sich über schon jahrelange Arbeit etwa im Bundesnetzwerk Kreatives Deutschland kennen und immer wieder gegenseitig unterstützen. Sabine Gollner (KÜKO – Künstlerkolonie Fichtelgebirge) moderierte das Gespräch  und sie steht auch beispielhaft dafür, dass strategisches Vernetzen und gezieltes Unterstützen der Kreativen eine ganze Region wirtschaftlich und kulturell voranbringen kann. Für ihr Konzept und ihren Erfolg für die Region um Bad Berneck wurde sie kürzlich mit dem 2. Platz des Bayr. Tourismuspreises gewürdigt. Jahrelanges Engagement, Vernetzen, Ermutigen, Überzeugen gingen dem voraus - die Arbeit für den noch vergleichsweise jungen Sektor der Kultur- und Kreativwirtschaft erfordert langen Atem.

Der bayr. Dachverband für Kreativwirtschaft soll vor allem Ansprechpartner für Politik, Verwaltung und die klassische Wirtschaft sein. Er muss Lobbyarbeit leisten, Förderprogramme auf den Weg bringen und an die Kreativen vermitteln, vor allem aber auch die Anforderungen eines Programmes oder Gesetzes an die Arbeitsstrukturen der Kreativwirtschaft anpassen. Arbeit also, die über ehrenamtliches Engagement nicht zu leisten ist, professionelle, leistungsfähige Strukturen werden gebraucht. Die KUK ist wirtschaftlich insgesamt stark, doch sie ist kleinteilig, sehr heterogen, schwer zu fassen. Mit einem Interessensverband macht sie es den politisch Verantwortlich künftig leichter, Kontakt aufzunehmen und fachlichen Input zu bekommen. Oliver Wittmann von bayernkreativ informierte darüber, dass bald auch die Fortschreibung des Kreativwirtschaftsbericht Bayern geben werde (Daten und Bericht von 2016: hier) und es damit bald auch neue Zahlen und Informationen zu aktuellen Entwicklungen in Bayern gäbe.

Die Vorteile eines kreativen Dachverbandes für Politik und Wirtschaft sind klar, doch was könnte der Mehrwert für das einzelne Mitglied sein, was verbessert sich für die Akteure mit dem Landesverband? "Sind wir dann nur besser sichtbar oder bringt der Dachverband auch konkret etwas für die Kreativen vor Ort", fragte Leni Brem-Keil, die seit längerem die kreative Vernetzung auch in Ingolstadt mit voranbringt. Beratungen, Weiterbildungen, branchenübergeifende Vernetzung, fachlicher Austausch, Richtlinien und Standards, Serviceangebote – davon könnten alle profitieren. Bis dahin ist noch Aufbauarbeit zu leisten und so wird es weitere bayernweite Vorbereitungstreffen geben. Den BLVKK i.Gr. ist mit seiner virtuellen Adresse nun erst einmal online präsent und sichtbar. www.blvkk.de .   Petra Kleine

Informationen in Ingolstadt, auch zum regionalen Netzwerk und zur Gründung eines lokalen Interessensvereines, bekommen Interessierte über Sigrid Diewald | Freies Akteurs-Netzwerk Ingolstadt | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Fotos: ©Petra Kleine

Kunstempfang2019 348 2Ingolstadt | Stark, selbstbewusst und in großer Einmütigkeit startete die Ingolstädter Kunst- und Kulturszene ins neue Jahr 2019. Mit ihrem Neujahrsempfang in der Harderbastei wollten sie vor allem eines: Feiern, die Kunst und auch sich selbst. Eingeladen hatten erstmals gemeinsam der Berufsverband Bildender Künstler Ingolstadt & Obb. Nord (BBK), der Kunstverein Ingolstadt, die Kunst- und Kultur Bastei mit der Kinder- und Jugendkunstschule, die Kunst- und Kulturwerkstatt KAP94 sowie der Verein Künstler an die Schulen. Seite an Seite mit ihnen an diesem Abend auch Stadttheater-Intendant Knut Weber und Simone Schimpf als Direktorin des Museums für Konkrete Kunst. Für beide gab es ausdrücklich unterstützende Statements, denn hier stehen aktuell die neuen Kammerspiele und der Museumsneubau in der politisch strittigen Diskussion, mit Millionen-Investitionen. Solch enorme Projektsummen kann die freie Kunstszene mit all ihrer Strahlkraft freilich nicht erwarten, doch sie plädierte vorbehaltslos für den Ausbau der großen, kulturellen Zentren der Ingolstädter Kulturlandschaft. Kulturreferent Gabriel Engert, stets wohlgelittener Gast in der Szene, unterstrich nicht nur, dass er alles daransetze die großen Kulturprojekte zu realisieren, er betonte auch den Wert der stetig wachsenden freien Szene für den „urbanen Zusammenhalt“. Kunst und Kunstfreiheit wurde von allen Seiten als wichtiger Beitrag für ein zukunftsfähiges Ingolstadt betont. Unverzichtbar und mitnichten ein Luxus. Mehr als 100 Projekte mit Kindern würden von Künstler an die Schulen umgesetzt schilderte Vorsitzende Viktorija Haderer die Dimension der Vereinsarbeit. Paula Gendrisch sprach für das KAP94, der freien Kulturwerkstatt im Künettegraben, inzwischen auch als Verein gegründet – Fördermitglieder willkommen! Werner Kapfer, „eigentlich ein optimistischer Mensch“, zeigte sich besorgt über den Streit zu den neuen Kulturbauten und rief zur konstruktiven Diskussion auf, um gemeinsam mit den Kreativen gute Lösungen zu finden. Hubert Klotzeck betonte für den Kunstverein den freudigen Aspekt des Abends und forderte launig zum (sich) feiern auf: "Wenn Trubel und wilde Zeiten anbrechen, soll man Fröhliches sprechen." Das übergreifende gemeinsame Kunstprojekt für 2019 stellte Beate Diao vor, es heißt „Wasser“. Alles fließt!

Fredrik Lindqvist | Zeitgenössischer Stoff

lindqvist348Der Künstler Fredrik Lindqvist bebilderte den Abend mit seiner aktuellen Ausstellung „The Cut“. Seine farbenprächtigen, textilen Holzschnitte sind Erzählungen aus dem hektischen urbanen Alltag, intime Einblicke in jugendliches Leben, Familienszenen, Phantasiegestalten, Märchenwelten, auch mal düster. Lindqvist fügt seine Bilder zu großflächigen, expressionistischen Collagen aus Stoffen und Mustern zusammen, bedruckt sie mit Holzschnitten, näht selbst mit der Hand zusammen, aufeinander, aneinander. Er hat damit eine einmalige Ausdrucksform geschaffen, die mal wie ein Comic anmutet, mal märchenhaft wirkt oder eine fantastische Welt skurriler Lebensformen ist – tierisch, menschlich, anekdotisch. Der gebürtige Schwede lebt und arbeitet in Ingolstadt, er hat an der Umeå Kunstakademie und der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Große Museen wie das Britische Museum in London oder das Nationalmuseum Stockholm kennen seine Werke und kaufen sie inzwischen an. Hervorgehoben wird die außerordentlich sinnliche und hohe handwerkliche und künstlerische Qualität seiner Arbeiten. Ein trefflicher Rahmen also, für das Jahrestreffen der Künstlerinnen und Künstler unserer Stadt, seine Motive von buntem Volk in allen Lebenslagen. Einen aktuellen Katalog gibt es beim Künstler selbst fredrik-lindqvist.com oder über den BBK Ingolstadt.

 

Bilder vom Neujahrsempfang Kunst und Kultur 2019

 

Fotonachweis: © Petra Kleine
Bilder in der Kunstausstellung: Fredrik Lindqvist "The Cut" www.fredrik-lindqvist.com

 

 

Jens Rohrer Michael v BenkelIngolstadt | Michael von Benkel und Jens Rohrer sind feste Größen der Ingolstädter Autorenszene. Sie haben uns, gerade richtig für die kalte Jahreszeit und unter den Weihnachtsbaum, mit neuen Büchern beglückt - klug, verrückt, nachdenklich, märchenhaft – voll mit der Liebe zum Leben und dem Hang zur Übertreibung. Eine Warnung vorab: wenn man mal angefangen hat zu lesen, will man nicht mehr aufhören. Das gilt für beide Bücher, so unterschiedlich sie sind.

Michael von Benkel | Das Königreich der Inseln. Ein Kinderbuch nicht nur für Erwachsene

Märchen, heißt es, malen Bilder in unsere Köpfe. Die Bilder vom Königreich der Inseln werden blau sein, denn Luhi lebt auf dem blauen Planeten Moho. Alle Pflanzen und Bewohner sind hier blau, auch Luhi, der Held des Märchens. Luhis Heldenreise hat 12 Stationen, so wie es seit jeher bei den echten Helden ist, doch es muss ja nicht Odysseus oder Luke Skywalker sein. Luhi ist so jung, dass er noch zur Schule geht. Und weil er diesen Schulweg ganz alleine geht, kann hier für ihn ein Abenteuer beginnen, bei dem er viel über sich und die Welt und sich in der Welt lernt. Wenn der Autor Michael von Benkel eine Geschichte erzählt, hat die Zahl 12 immer eine besondere Bedeutung, ganz gleich, ob es ein Krimi ist oder eben ein Märchen. Es ist Benkels fünftes Buch (auch jedes andere ist zu empfehlen) und an dieser Stelle sollte vielleicht auch erwähnt werden: Der Ingolstädter Autor ist auch Strafrichter, am Amtsgericht Ingolstadt. Er kennt sich also bestens aus mit Geschichten, mit Wahrheit und Lüge und all dem was dazwischen liegt. Auch wenn vieles auf Moho anders ist, Freundschaft, Liebe und Hilfsbereitschaft sind auch auf diesem blauen Planeten wichtig. Beim Lesen – und vor allem beim Vorlesen – können wir gut darüber sinnieren, warum auf Moho oder auf der Erde alles so ist wie es ist und was sich ändern ließe. Benkels spürbare Liebe zum Leben und zum eigenen blauen Planeten Erde, sind es, die uns beim Lesen berühren. Seine Wortspiele machen großen Spaß und mit den gewitzten Umdeutungen von vermeintlich Bekanntem, verblüfft er uns. Wußten sie, dass man mit Geldsummen bezahlen kann? Na, dann summen sie mal! In Moho ist das jedenfalls möglich und führt zu ganz neuen Herausforderungen. Benkel erfindet 12 wundersam Inselgeschichten und so wunderbare Orte, wie ein Restaurant, in dem man sich an Bildern sattsehen kann. An seinem Buch kann man sich jedenfalls gar nicht genug sattlesen!

Michael von Benkel | Das Königreich der Inseln. Ein Kinderbuch nicht nur für Erwachsene. 9 €. Erschienen im bp-Verlag. Erhältlich im örtlichen Buchhandel oder beim Autor selbst. Ein kleines Highlight sind die Illustrationen im Buch, die von Benkels fünfjährige Enkelin gezeichnet hat. Das Titelbild ist gestaltet vom Künstler Franz Duna.

Isabella Kreim stellt Michael von Benkel und sein neues Buch im Kulturkanal vor - hier.

Jens Rohrer | Der Dreiungvierzigjährige, der aus der Haustür trat und spazieren ging | Kurzgeschichten

„Wie Kafka, nur lustiger“ das meint Jens Rohrer, der Dreiundvierzigjährige, selbst. Mit seinem neuen Erzählband steigert sich der Autor weiter ins Absurde und Unglaublich-aber-Wahre. Dabei ist längst nicht alles nur erfunden, manches kommt direkt aus der Wirklichkeit, sieht nur nicht jeder. Rohrer sieht‘s. Die Hufeisenniere, soviel ist sicher, ist echt und aus/in Jens Rohrer selbst. Aber wußten sie, was passiert, wenn man an einem Meisenknödel knabbert. Wird dann die Amsel in uns lebendig oder ist das nur unser ganz normaler Vogel, von Rohrer wieder mal ins Kafkaeske gezerrt. Die Non-Food-Produkte einer Kaffeekette sind (fast) alles echte Lifestyle-Produkte, die durch ihren Irrwitz Jens Rohrer zu einer Story inspirieren konnten, bei der er (fast) nichts dazuerfinden musste. Oder doch? Der Herrenslip mit Soundelementen (Bob Marleys Reggae-Song „Get up, stand up“ inbegriffen?) oder ein digitales Springseil ohne die lästige Schnur können doch keine marktfähigen Produkte sein. Wer denkt sich sowas aus und wofür? Sie werden überrascht sein, was es alles wirklich gibt, denn „jeden Tag steht ein Depp auf“. Doch ganz gleich, was die Kaffeekette sonst noch so erfindet, Rohrer erfindet mehr. Interviews mit Maria zum Beispiel. Und dann auch eins mit ihm, mit Josef. Weihnachtlich wird’s eher nicht, soviel sei verraten. Ein großer, kluger Spaß, der uns – zumindest für eine Weile – auch verändert, weil einem plötzlich vieles komisch oder alles normal vorkommt. Rohrer macht den Kopf frei oder Rohrfrei für den Kopf - war das jetzt von ihm oder von mir? Wer weiß das schon. Buch lesen!

Auch hier ein gestalterisches Highlight: das Umschlagmotiv ist von Paolo Lumpi gestaltet, aus der Serie „Der Mann mit der roten Jacke“, nur für Jens Rohrer gibt es ihn mit blauer Jacke.
Erschienen im bp-Verlag, 9 €. Zu kaufen m örtlichen Buchhandel oder beim Autor selbst. www.jens-rohrer.org

Isabella Kreim vom Kulturkanal Ingolstadt stellt Jens Rohrer im Interview vor - hier.

Fotonachweis | © Petra Kleine | K10

ECM web 348Ingolstadt | Noch bis Ende Januar zeigt der Kunstverein Ingolstadt die Ausstellung "Der Wind, das Licht – ECM und das Bild" zur CoverArt des Münchner Musiklabels ECM Edition of Contemporary Music. Hubert P. Klotzeck, Kunstvereins-Vorsitzender und Kurator der Ausstellung war in den ECM-Archiven unterwegs und hat uns viele Originale daraus nach Ingolstadt geholt.

Musik ist etwas sehr Persönliches. Nachts im Studentenwohnheim, allein mit der Musik, dem Saxophon von Jan Gabarek, das schwarze Vinyl dreht sich auf dem Plattenteller und auf dem Bett liegt das Cover, mit der  Fotografie einer verwitterten, gelblichen Mauer.  Es ist anders als andere Plattencover – eher zurückhaltend, weniger grell, weniger aufdringlich, weniger laut. Solche persönlichen Erinnerungen, wie diese aus den 80er Jahren von Eröffnungsredner Dr. Andreas Hochholzer, tauchen mit der aktuellen Ausstellung des Ingolstädter Kunstvereins auf. „Der Wind, das Licht. ECM und das Bild". Die Ausstellung ist eine Hommage an den Münchner Musikverlag ECM - Edition of Contemporary Musik. Sie eine Liebeserklärung an die Musik und die Bilderwelt dieses Labels und nicht zuletzt: eine Ausstellung zu Cover Art, zu Fotografie, Malerei und angewandter Kunst auf Plattenhüllen und CDs.

Das Label ECM wurde 1969 von Manfred Eicher gegründet und hat sich seither dem Jazz und der zeitgenössischen Klassik verschrieben. Als ein von Musikern geführter Plattenverlag legte ECM großen Wert auf Werktreue, weniger auf kommerzielle Trends und setzte mit seinen sorgfältigen Aufnahmen neue Maßstäbe in der Plattenproduktion. „Mein Kompass ist: ich möchte hinter dem was ich höre, etwas Persönliches hören. Die persönliche Aussage, die die Person die sie spielt mit der Musik zum Ausdruck bringt.“ beschreibt Manfred Eicher selbst seinen Maßstab.

348 ECM Das Plakat 348ECM ist weltweit einer der führenden Verlage in diesem Genre des Musik-Markts. Das Cover, das Bild der Platten- und CD-Hüllen, das Design, waren von Anfang an ein untrennbarer Bestandteil der Musikproduktionen. Die intensive Zusammenarbeit Eichers mit den Gestaltern prägte den ECM- Stil. Sie schufen eine eigene Bilderwelt, die einen untrennbaren Dialog zwischen Bild und Musik eröffnete. Anhand ausgewählter Beispiele und der Präsentation der bisher veröffentlichten Album-Cover wird in der Ausstellung diese Bildwelt von ECM vorgestellt. Dazu werden die Bezüge zu Fotografie, Malerei und Film gezeigt, mit vielen Originalen aus dem ECM-Universum und immer mit Bezuf auf die CD oder Platte.

Kurator Hubert P. Klotzeck ist Fotograf, Galerist („Bildfläche“ in Eichstätt) und Teil des Elektronik-Klang-Duos Hotzeck. Für ihn ist ECM nicht irgendein, sondern der Musikverlag. Er bekam durch die zufällige Wiederbegegnung mit Nicola Kremer, einer Jugendfreundin und inzwischen im Management von ECM, die Chance in die Archive des berühmten Münchner Musikverlags gehen zu können. Originalplakate seit 1969, die Kunstwerke und die originalen Photografien, die Bestandteile der Booklets und Cover geworden waren, Portraitaufnahmen weltbekannter Musikerinnen und Musiker in Livekonzerten, Backstage oder im Tonstudio. Klotzeck konzipierte die Ausstellung, eigens für Ingolstadt. 350 Stunden Arbeit waren das, so Klotzeck, von der Planung bis zur Umsetzung, gemeinsam mit Ehrenamtlichen des Kunstvereins. Passgenau für die Jazz-IN-Stadt, das Ingolstadt der Jazztage, bei denen in den letzten Jahrzehnten so viele der weltbekannten ECM-Künstler live zu sehen waren. Wow!

„Da muss ich doch gleichmal suchen, ob auch meine erste Jazz-Platte dabei ist…“. Dieser Gedanke liegt nahe und war vielfach bei der Vernissage zu hören. Die Ausstellung ist so auch eine persönliche Erinnerungs-Reise für die, die sich mit Musik, speziell mit der von ECM, verbunden fühlen. Das Wiedersehen mit Platten, Musikern, Konzerterlebnissen, Emotionen ist ein wesentlicher Teil dieser vielschichtigen Ausstellung. Alles läuft dabei auf die Wand zu bzw. auf ein wandfüllendes Mosaik, in dem Musik, Bilder, Erinnerungen gespeichert sind – 1376 Cover, fast 50 Jahre ECM, chronologisch angeordnet. Und sogleich beginnt eine zweite Suche: Gibt es einen Stil, erkennt man eine Epoche, einen Zeitgeist, gibt es eine Entwicklung, verändert sich die Typografie …?

Das Cover. Die Stille vor der Musik

Die Musik wird bei der Produktion zunächst normiert und auf ein für alle Musik festgelegtes Tonträger-Format gebannt. Jede Scheibe sieht gleich aus, sie unterscheiden sich voneinander zunächst durch die Verpackung, die Hülle mit Bild und Schrift. Das Cover. Das Cover ist die Stille vor der Musik.  „Es ist die – noch – ungehörte Musik, so etwas wie ein Andachtsbild, bevor die Musik anhebt, bevor das Eigentliche beginnt.“ Dr. Andreas Hochholzer (ganzer Text s.u. oder Anhang zum Download) lenkte bei der Vernissage den Blick auf diese kleine, normierte Fläche – 31,5 cm2 für die Platte oder 120 mm2 bei der CD – auf der Design und Kunst zusammenkommen. Coverdesign hat sich so längst zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, manche Plattencover sind geradezu legendär geworden. ECM-Produzent Eicher hat bei der Gestaltung seiner Cover jene eigene Ästhetik entwickelt, die seither auch integraler Bestandteil der Musik geworden ist. Die Ausstellung zeigt dies, sie zeigt originale Kunstwerke und die Artwork bis hin zum fertigen Cover. Und sie gibt auch Hinweise auf die Verbindungen zum Film und die musikalische Entwicklung bei ECM.

 

348 ecm PetraKleine 348Selbst habe ich an der Wand natürlich auch eine meiner ersten ECM-Platten gefunden und wieder einmal hervorgeholt: Eberhard Weber, COLOURS, ecm 1186, 1980. Das Coverbild zeigt das Foto einer Malerei. Eine wunderbare, nackte Frau auf dem Sofa, entspannt und auf etwas in der Ferne (oder Tiefe) gerichtet. Dazu eine Katze, ein Rabe, eine großblumige Topfpflanze. Hintergrund ist eine naturbraune Kartonage im Öko-Raw-Design der 80er Jahre. Fast ein wenig anders als der sonst eher klare, minimalistische ECM-Stil. Ich höre also mal wieder in die Musik hinein und gehe dieses Mal auch ihrer Verbindung mit genau diesem Bild nach.
 

Kunstverein Ingolstadt, Theatergalerie, noch bis 27. Januar geöffnet. Fr bis So und an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr.

www.kunstverein-ingolstadt.de

 

Fotos | © Petra Kleine | K10

 

 

 

Bilder der Ausstellungseröffnung
(zum Vergrößern darauf klicken)

 

Der Text | Einführungsrede von Dr. Andreas Hochholzer zur Ausstellung

„Der Wind, das Licht – ECM und das Bild“
Ausstellung im Kunstverein Ingolstadt e.V. | 3.11.2018 - 27.01.2019


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucher der Ausstellung „Der
Wind, das Licht – ECM und das Bild“ hier im Kunstverein Ingolstadt, herzlich
willkommen.

Ich weiß nicht, wie weit Sie in Ihrer eigenen Vergangenheit zurückgehen
müssen, um dort zu sein, wo Sie Ihre erste ECM-Veröffentlichung gehört
haben… Monate, Jahre, Jahrzehnte?

Bei mir liegt es jedenfalls einige Jahrzehnte zurück: Anfang der 80er Jahre,
in einem Studentenwohnheim, ein wenig außerhalb von Eichstätt gelegen,
in einem Zimmer mit 14 qm, mit weißen Resopalmöbeln, bestehend aus
Schrank, Bett und Schreibtisch; der Boden mit grauem Nadelfilz ausgelegt,
ein Fenster mit Blick auf Buchen, Kastanien, Ahorn und Fichten, dazu
Duftschwaden von Räucherstäbchen aus Sandelholz. Und dort drehte sich
die schwarze Scheibe, und die Einsteckhülle und das Cover lagen auf dem
Bett und ich griff danach und ich konnte mir keinen Reim aus dem Titel
machen und noch weniger, was das Coverbild meinte, und so hielt ich mich
an die namentlich aufgeführten Musiker und die Zeitangaben der einzelnen
Stücke. Der Titel der Schallplatte lautete „Witchi-Tai-To“ und auf dem Foto
konnte man eine schadhafte sandsteingelbliche Mauerstelle sehen, wie sie
im vorsanierten und vorrestaurierten Deutschland an vielen Gebäuden zu
finden war, wenn nicht das milde Licht auf ein ferneres Land verwiesen
hätte. Wie gesagt, man kannte marodes, angeschrammtes Mauerwerk,
allerdings nicht auf einem Cover einer Schallplatte.

Irgendwie unterschied sich dieses Cover von den anderen mir geläufigen,
das Sujet war ein anderes, die Farbigkeit war eine andere, die Schrift war
viel kleiner. Es fehlte alles Grelle, Aufdringliche, Laute, und dieses Fehlen
war kein Mangel, sondern eine andere Sprache und ein Anspruch und ein
Geschenk für den Plattenbesitzer, und das setzte sich fort in den anderen
Schallplatten, die ich nach und nach in die Hände nahm:
Return To Forever (1022)
Belonging (1050)
Clouds In My Head (1059)
Dansere (1075)
Staircase (1090/1091)
Watercolors (1097)

So fing das damals bei mir an, und wie war es bei Ihnen?
Gibt es bei Ihnen auch so etwas wie den Beginn dieser Leidenschaft, einer
Leidenschaft zum „vollkommenste(n) Typus der Kunst…, (die) nie ihr letztes
Geheimnis verrät“, wie es Oscar Wilde ausdrückte, eine Leidenschaft also
zur Musik? Freilich, liebe Besucher, über Musik können wir an dieser Stelle –
und das bedauere ich – nicht sprechen, wenigstens nicht unmittelbar.
Wir können auch nicht über die Öffnung in alle möglichen musikalischen
Richtungen sprechen, die in den ECM-Aufnahmen geschehen ist und
immer noch geschieht. Genregrenzen gibt es keine mehr und die
Ausweitung in alle Tongebiete gleicht Apolloreisen ins Unbekannte und
Unbenannte und Ungehörte.

Wir können auch nicht über all die grandiosen Musiker, Komponisten und
Sänger, die den musikalischen Kosmos der ECM-Veröffentlichungen
bevölkern, sprechen. Was haben diese Künstler an Eigenem,
Unverwechselbarem, Ungehörtem da hineingelegt, ihr Suchen in Geduld
und Ungeduld, die Rückbesinnungen und Brüche, die Wechsel der
Perspektive, die Störungsfälle und Befreiungen, die Erweiterungen der
phonetischen Systeme.

Dass diese Musik „…Sterne schmelzen…“ lässt, wie es Gustave Flaubert
ausdrückt, auch davon können wir hier nicht reden.
Wir können auch nicht über all die Künstler sprechen, die Fotografen und
Maler, die die Vorlagen zu den Covern lieferten, auch nicht über die
Designer und Layouter, die jedes Cover unverwechselbar und einmalig und
einer eigenen Diktion und Präferenz folgend komponierten. Aber Sie
haben heute die Möglichkeit, manche der Vorlagen zu sehen und
beispielhaft den Ursprung und das Entstehen einiger Cover
nachzuvollziehen.

Wir können auch nicht über Manfred Eicher sprechen, über seine Motive
und seine Mission einer sehr eigenen Auffassung von der „ästhetischen
Erziehung des Menschengeschlechts“ – was jetzt für manche Ohren etwas
antiquiert klingen mag.

Darüber also können wir nicht sprechen, aus Zeitgründen und weil drei bis
vier Sätze völlig unangemessen wären und weil wir uns zwischen 1378
Covern irgendwie bewegen müssen, und das ist nicht so leicht.

Diskographik, Album, Cover-Art
Was ich in der Hand halte

Beginnen wir damit, was und wie wir das, worum es gehen soll, in die Hand
nehmen, eine CD mit einer durchsichtigen Zellophanhülle. Wir halten sie in
der Hand, wenden sie und inspizieren die Rückseite, dann öffnen wir die
Verpackung – denn das ist es ja letztlich, womit wir es zu tun haben, eine
Verpackung für etwas anderes –, wir schieben das CD-Case aus dem
Schuber, ziehen das Booklet heraus und lesen darin aufmerksam oder
flüchtig wie in einer Speisekarte, verweilen dabei oder legen behänd das
Heftchen zurück in den Plastikumschlag. Dann legen wir die CD in den
Player und das Eigentliche hebt an…

Schallplattenhüllen, CD-Cases sind funktional betrachtet Verpackung,
Hüllen zur sicheren Aufbewahrung, damit etwas nicht verloren geht,
beschädigt wird, damit sicher ist, was geschützt werden soll.
Geht darin die funktionale Seite dieses Gegenstandes auf? Materiell
gleicht eine Schallplatte der anderen, eine CD anderen Milliarden von CDs.
Das, worin sie sich unterscheiden, sieht man nicht mit bloßen Augen, ist
nicht lesbar. So wird der Unterschied sichtbar gemacht im Layout, in der
Gestaltung des Covers, in der Nennung der Künstler, des Albumtitels, im
Booklet-Design.

Stöbern wir ein wenig in den ECM-Veröffentlichungen, sehen wir uns die
Fotografien an.

Wir sehen ein Cover mit dem Titel „Goodbye“ (1904): eine von Lichtflecken
durchwirkte Wasserfläche, in der Blätter schwimmen; dann ein Bild eines
schwer auszumachenden entgegenkommenden Fahrzeugs, eines Zuges
vielleicht, die Lichter unscharf, so als würde uns ein lichtspeiendes Untier
anspringen wollen, der Titel „Dark Eyes“ (2115); dann ein Cover mit zwei
Männern, einem jüngeren und älteren Künstler am Piano, die CD trägt den
Titel „The Third Man“ (2020). Dann ein Kind mit Mütze, das aus dem
Busfenster in die Kamera blickt, das Album heißt „Open Land“ (1683); dann
ein Cover mit einer grün-gelblichen Fläche, wie von Gotthard Graupners
„Farbraumkörpern“ entlehnt, „City of Brocken Dreams“ (2274); dann einen
Mond hinter zerfetzen Wolken, davor unscharf Laubbäume im Herbstgold,
das Album trägt den Titel „The Gift“ (2322); und dann eine CD mit dem Titel
„The Light“ (2056), aber dort ist kein Licht, sondern nur eine unscharfe
Horizontlinie im nächtlichen Blauschwarz. Wir sehen auf dem Album „The
seven Words“ (1756) einen im Meer treibenden Eisberg, eingetaucht in ein
endzeitrötliches Licht. Wir sehen ein in Sackleinen eingehülltes Kreuz, von
einem Indio auf dem Rücken getragen, Kulturum (1638) heißt die
Veröffentlichung. Das Bugeisen einer venezianischen Gondel, im Wasser
spiegelt sich ein Gebäude der Lagunenstadt, „La Fenice“ (2601)… Und wir
sehen tatsächlich und wirklich nur ein einziges Mal einen Blumenstrauß –
auf der CD „The Melody, At Night, With You“ (1675), einen Blumenstrauß in
schwarz-weiß in einer Vase, aber eigentlich nur seinen Schatten, und mehr
gibt es nicht.

Wir sehen – um allgemeiner zu sprechen – Personen, Künstler,
Naturaufnahmen, Stadtlandschaften, Wolken, Wasser, Wege und Straßen,
Abstraktes und Gegenständliches, Unscharfes, Verschwommenes,
Kontrastreiches, Detailaufnahmen und Grafiken. Wir sehen gänzlich
monochrome Cover mit klarer Typografie, streng zentriert oder
symmetrisch angeordnet, wir sehen eine Bilderwelt, mannigfaltig,
vielgestaltig und unverwechselbar. Lässt sich dabei eine Konstante in den
Covern finden? Gibt es ein Ostinato in der Bilderwelt der ECMVeröffentlichung?
Was meinen Sie?

Schwarzkunst

Bei aller Vielfalt und scheinbaren Leitmotivlosigkeit der Cover erkennen Sie
wie ich zumindest eine Dominanz: eine Neigung zur Farbe Schwarz, die ja
keine Farbe ist. So als ob die 31,5 cm x 31,5 cm, so die Maße eines
Schallplattenhülle, oder die 120 mm x 120 mm einer CD auf den von
Kasimir Malewitsch geprägten Namen „schwarzes Quadrat“ getauft worden
wären. Vielleicht kennen ja einige von Ihnen dieses berühmte Bild von ihm.
Ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund. Am Rande: Bemerkenswert ist
dessen Genese, verdankt sich doch das „Schwarze Quadrat“ der 1913
entstandenen futuristische Oper „Sieg über die Sonne“, für die es gemalt
wurde. Malewitsch selbst meint dazu, dieses Bild sei „die nackte,
ungerahmte Ikone meiner Zeit…, in ihm sehe ich das, was die Menschen
einstmals im Angesicht des Gottes sahen…“ (zit. nach A. H., Lichtkunst/
Kunstlicht – nach dem Tod der Sonne, S. 53, in: Theologie und Glaube,
1/2015, 105. Jg.).
Ich will hier nur festhalten, dass es eine ursprüngliche Relation zwischen
schwarzem Quadrat und Musik gibt.

Cover – Bild – Text – Musik – Relationen

Das Bild ist kein Text und das Bild ist auch nicht Ton. Alles wird vom Messer
des Verstandes sauber getrennt, um es vermeintlich besser zu verstehen:
Musik, Lesen, Schauen…
Angewandt auf unser Thema:
Hat der Text des CD-Titels oder die Sprache des Bildes die Deutungshoheit
über das später oder gleichzeitig Gehörte in der Musik? Evozieren die
Fotos eine Stimmung, die dann in der gehörten Musik bestätigt wird?
Besteht eine Relation zwischen Cover-Art und der auf dem materiellen
Träger eingekapselten Musik? Ist das Cover die Fassade, eine Alice-Spiegel-
Tür zu diesem sonderbaren Raumzeitgebilde, das die Musik darstellt? Oder
ist es nur das Schlüsselloch dazu? Was meinen Sie?
Ich lasse die Fragen offen und verweise auf eine Vorstellung der
Pythagoreer, die vor mehr als 2000 Jahren die Auffassung vertraten, dass
der ganze Kosmos aus Harmonien bestünde und dass der sichtbare
Kosmos, die Erde, die Sonnen, die Plejaden, jedes Muttermal, alles
Gegenständliche also, uns nur deshalb sichtbar erscheinen, weil wir uns an
dessen Klang gewöhnt hätten und es deshalb nicht mehr h ö r e n
könnten. D.h. alle sichtbare Realität sei ungehörte Musik. Übertragen würde
das bedeuten, jedes Bild, jedes Cover ist Musik, aber keine für uns hörbare.
Wir können den geistesgeschichtlichen Befund, was Musik dem Menschen
war, ist und sein wird, hier nicht weiter ausführen, wir können hier dem
„Nada Brahma“, dem hinduistischen Postulat „Die Welt ist Klang“, hier nicht
weiter auf den Grund gehen. Aber hier findet sich eine Spur…, eine Spur,
der Sie folgen können.
Sloterdijk fragt in einem seiner Essays: Wo sind wir, wenn wir Musik hören?
Ich frage sie, wo sind Sie, wenn sie ein ECM-Cover in Händen halten? Und
ich versuche eine Antwort:
D A V O R, vor der Sternenschmelze, und da ist es sehr still.
Gelegentlich bescheinigt man dem ECM-Layout eine gewisse ästhetische
Kühle. Ich teile diese Auffassung nicht.
Vielmehr sehe ich in den Abbildungen eine ungewohnte Stille. Eine Ruhe,
die sich einstellt und die ich eben „Davor“ genannt habe. Es ist die „Stille
der Welt vor Bach“, so hat es Lars Gustafson einmal in einem Gedicht
formuliert. Diese Stille ist ungehörte Musik, sie erzeugt einen Raum, der die
Ohren öffnen kann. Sie ist das Gegenbild zum lautstarken Einstimmen
großer Orchester, bevor das Musikstück anhebt. Ich sage Gegenbild, ich
könnte auch sagen Andachtsbild. Bei aller Arbeit, Raffinesse,
gestalterischen Kraft und bei allem Kalkül, das hinter jedem einzelnen
Cover steckt, sage ich es nochmals, ein Andachtsbild für das, was das
schmerzloseste Glück vielleicht ist: nämlich die Musik.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Andreas Hochholzer

fair fashion JEEIngolstadt | Janina Ebner von Eschenbach ist mit ihrer fair fashion Designer-Mode die neue Mieterin im Pop-Up-Store in der Theresienstr. 13. Gerade in den Zeiten in denen sich die Skandale in der Textilindustrie mit ihren vielen vermeintlich seelenlosen Modeketten, die in Fernost produzieren lassen, häufen, gewinnt das Thema nachhaltige Mode immer mehr an Bedeutung. Eleganz und Luxus fühlen sich nur gut an, wenn auch die Produktionskette stimmt, eben dann wenn keine Tiere, Arbeiter oder Landschaften dafür ausgebeutet wurden. „Sustainable Fashion“ hat jedoch leider teilweise den fahlen Beigeschmack, in Punkto Style schlecht abzuschneiden. Bei der Mode, die die junge Fashionexpertin Janina Ebner von Eschenbach seit Kurzem im Pop-up-Store „zeit[t]raum“ unter dem Label „Studio j.EE“ verkauft, ist das anders. Sie bringt einen Conceptstore für faire Beachwear, Resortwear und Loungewear von den Küsten der Welt nach Ingolstadt.


Die Klamotten, werden teils von ihr und ihrer Mutter selbst designt, teils von anderen Labels aus Australien, den USA oder Bali bezogen. Hierbei steht neben der Nachhaltigkeit das stylische Design im Vordergrund. „Ich lege besonderen Wert darauf, dass die Produkte durch ihre hervorragende Qualität in die nächste Generation weiter gegeben werden können“, sagt die engagierte Jungunternehmerin. So wird naturreinste Kaschmir-, Yak- oder Kamel-Wolle direkt aus der Mongolei, die frei von jeglichen schädlichen Farbstoffen ist, zu edlen Lieblingsstücken verarbeitet. Kurzum: der Laden ist ein Paradies für luxuriöse Fashion- und Lifestyleprodukte für Damen, Herren und Kids.

Nachhaltige Mode mit Stil

Um dieses Fashionkonzept in Ingolstadt zu testen, eignet sich der Pop-up-Store „zeit[t]raum“ bestens, da sich Existenzgründer und Jungunternehmer hier zu vergünstigten Konditionen und geringem Risiko ausprobieren können, bevor sie sich dauerhaft stationär binden. Der Laden ist Teil der Initiative Cityfreiraum, die vom Innenstadtverein IN-City, dem Existenzgründerzentrum und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG angeboten wird, um kreativen, engagierten Persönlichkeiten den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Wenn auch Sie Lust haben, sich selbstständig zu machen, auf www.cityfreiraum-ingolstadt.de informieren.

 

(Foto: IFG/Binder)

Beate Diao Engert 348Ingolstadt | Beate Diao zeigt noch bis 14. Oktober eigene künstlerische Arbeiten im Rahmen der Ausstellungsreihe KUNSTSTÜCKE des BBK Ingolstadt und Nordbayern. Es geht um die Schönheit von Flora, Fauna, Mikrokosmos, die Künstlerin hebt ab auf Strukturen und Ornamentik. Besonders faszinieren die Künstlerin offensichtlich Gehirne, Kraken und Insekten, deren Ästhetik sie wirkungsvoll herausstellt. Einen eigenen Raum nehmen politische Themen wie Klimawandel, Krieg und Zerstörung ein. Eine stimmige, ansprechende und berührende Bilderschau, mit Themenreihen als spannenden Facetten.

Beate Diao ist öffentlich vor allem als künstlerische Leiterin der Kunstschule „Kunst- und Kulturbastei“ präsent, die junge Menschen für außergewöhnliche Kunstprojekt begeistern kann und diese großformatig und gerne im öffentlichen Raum umsetzt. Ein Exkurs zur Kunstvermittlerin und Kulturmanagerin Beate Diao lag bei der Ausstellungseröffnung daher nahe, auch wenn es an diesem Tag – eigentlich - um die Künstlerin ging. Beate Diao sei eine Macherin, die auch sehr komplexe Ideen umsetzen könne, eine geborene Vernetzerin, eine Antreiberin, die (ihn) immer wieder überzeugen konnte, wenn (finanzielle) Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten, um jungen Menschen die Arbeit mit Kunst, Musik, Theater, Mode und mit professionellen Kunstschaffenden zu ermöglichen. „Und sie ist hartnäckig“, bekannte Kulturreferent Gabriel Engert lachend bei seiner Begrüßung, die dann doch eine fulminante und verdiente Laudatio für die Kulturarbeiterin Beate Diao wurde. Seit der Gründung ihrer Kunstschule, vor zwölf Jahren noch in der eigenen Garage in Ringsee, realisierte Diao oftmals ungewöhnliche Projekte mit Kindern und Jugendlichen. Die Erweiterung um die Bereiche Musik, Theater, Stelzengang, Mode kam mit dem Einzug in die Harderbastei, die damit zur „Kunst- und Kulturbastei“ wurde. Diao brachte „urban knitting“ und 3 D- Illusionsmalerei auf die Plätze Ingolstadts, schickte die stromlos-Bigband durch die Straßen. Die Reithalle im Klenzepark hat Diao eigenhändig, natürlich immer zusammen mit vielen anderen, wie sie stets betont, von der Decke bis zum Boden in schwarzen Bühnenmolton gehüllt, als sie 2011 ihr bisher wohl spektakulärstes Kunstprojekt „Galaktisch: Expedition ins All“ umsetzte. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche, 100 Schulen, Museen, Firmen und Kunstakteure, selbst ein echter Astronaut wirkten mit, um ein Universum aus Fantasie und Schwarzlicht zum Leuchten zu bringen. Er sei heute noch beeindruckt, so der Kulturreferent. Viel Applaus für diese schöne öffentliche Würdigung und für die Kunst- und Kulturfrau in der gut besuchten Harderbastei.

Der Künstlerin Beate Diao wandte sich der BBK-Vorsitzende Werner Kapfer zu. Er begründete die ästhetische und künstlerische Qualität der Werke. „Kunst kann schön sein, sie muss es nicht. Aber sie muss berühren und eigene Gedanken anregen, das erwarten wir von guter Kunst.“ Kapfer betonte die Disziplin und das planvolle Vorgehen, die gerade für die Schnitttechniken wichtig seien. Von der Bildidee zum ersten Schnitt in Holz, Linoleum oder Papier brauche es genaue Planung und einen intensiven Klärungsprozess vorab. „Auffallend ist ihre von Sorge geprägte Wahrnehmung politischer Entwicklungen“, zeigt sich Kapfer selbst sehr bewegt von den Werken, die Diao im Nebenraum versammelt hat. Plakativ setzt sie den „Hassprediger“ in Szene – einen ganzen Tag hat sie gezielt Wörter gesammelt, die negativ, ungerecht, bedrohlich sind. Erschreckend bekannt sind uns Sprache und Gesichtsausdruck des Fanatismus. „Danach ging es mir erst einmal nicht gut.“, beschreibt sie selbst die Intensität dieser Auseinandersetzung. Berührend sind die Scherenschnitte von spielenden Kindern in der harmlosen Anmutung, die wir aus Poesiealben kennen. Die Bomben in diesen Bildern wirken kurz wie ein dekoratives Muster. Bedrohungen, die uns selbst nur in den Nachrichten, im entfernten Leben anderer Menschen begegnen. Die wir wegschalten können, wenn es uns zu viel Terror und Gewalt wird. Die Beate Diao festhält. Kindergesichter gezeichnet vom Leid des Krieges zeigt sie neben einem Frauengesicht mit dem schmerzlichen Ausdruck der Enttäuschung über ein verlorenes Fußballspiel. Diao hat sich mit Schmerz auseinandergesetzt, Bilder gesucht und geschaffen – Gesicht für Gesicht, Schnitt für Schnitt in das Linoleum. Wegschalten geht hier nicht, diese ruhigen Bilder bleiben. Folgen des Krieges auch in der Zeichnung „Homs – eine Stadt in Auflösung“. In feinsten Punkten hat die Künstlerin über viele Monate hinweg das Bild der zerstörten, syrischen Stadt nachgezeichnet. Punkt für Punkt für Punkt. 200.000 mal. Als würde sie jedes einzelnen Menschen gedenken …

Es gibt auch die helle Seite. Die Künstlerin selbst ist fasziniert von der Ästhetik der Ordnung, die sie in Flora und Fauna findet. Sie zeigt uns diese Faszination. Sie sucht die Schönheit von Kraken, Quallen, Insekten oder Pflanzen. Gehirnstrukturen oder die Iris des Auges – das interessiert und inspiriert sie. So ergibt sich eine starke, fast schon spirituelle Ornamentik, wenn sie Käfer symmetrisch anordnet. Die Schönheit von Ordnung beruhigt, heilt vielleicht sogar, täte der Welt gut, weiß Beate Diao. Herrlich abgedreht dagegen die Pilze die aus einem Gehirn wachsen. Unerwartet das Stück Kabel, das wie eine Prothese den Tentakel eines Oktopoden ersetzt. Eine kleine Serie ist der Harderbastei gewidmet – „fast schon meine zweite Heimat“. Die thematischen Bilderpaare die mit „Klimawandel“ oder „Wem gehört das Wasser“, betitelt sind, laden erst zum Hinsehen ein und dann zu kritischen Gedanken. Die freundliche Pusteblume auf lichtem Himmelblau und der schöne rote Klatschmohn sind auch ein solches Bilderpaar. Es heißt „Unkraut“.


"Kunststücke" von Beate Diao noch bis Sonntag, 14. Oktober in der Harderbastei, Oberer Graben 55.
Geöffnet von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr.

www.beate-diao.de | www.kunstundkulturbastei.de | www.bbk-ingolstadt.de |

 

Der Kulturkanal Ingolstadt mit Interview und Bericht | hier Beates Diao ästhetisches Universum

 

Wichtiges Bild Beate Diao portrait vor AchtungKultur 700

Beate Diao

2018 | Einzelausstellung „Kunststücke“
2013 - 2018 | Ausstellungsbeteiligungen: Konflikt – Der Zweck des Gemetzels, Kap 94 ; Frankenstein 4.0, BBK Ingolstadt und Bayern; Kunstmesse Ingolstadt „Glaube“ BBK- Ausstellung im Rathausfletz Neuburg/Donau; „Kunst deines Nachbarn“, Städtische Galerie Pfaffenhofen; „Hand und Kunst“ , Kulturgeschichte der Hand in Wolnzach; Stadtgestalt-Geschichte-Vision“ des BBK Ingolstadt
2015 | Wahl zur 2. Vorsitzenden des BBK Obb. Nord und Ingolstadt
2012 | Bühnenbild Stadttheater Ingolstadt „Frau Weiß sieht rot“

2010 | Gründungsmitglied des Vereins „Künstler an die Schulen e.V. |

2006 | Gründung der privaten Kinder- und Jugendkunstschule „Kunst und Kultur Garage“, seit 2013 als Verein „Kunst und Kultur Bastei e.V.“ und Erweiterung von Bildender Kunst auf die Bereiche Stelzenperformance und Theater, Modedesign und –schneiderei, Musik. Bis heute künstlerische Leitung und Durchführung zahlreicher Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen. #stromlos #streetartig #farblos #pop-up art piano #galaktisch

2001 | Aufnahme im Berufsverband Bildender Künstler - BBK Obb. Nord und Ingolstadt
1997 - 99 | Ausstellungsbeteiligungen im Gläsernen Elefanten Maximilianpark Hamm | „Bayerische Kunst unserer Tage“ in Bratislava, Slowakische Nationalgalerie | Gruppenausstellung in der MVA Ingolstadt „Ingolstadt liegt an der Donau, Bratislava auch“ mit Publikumspreis | Einzelausstellung „HolzArt“ Galerie im Bürgerhaus Ingolstadt | Freie Mitarbeit in der Künstlergruppe „Il Conventino“ Florenz
1996 | Abschluss der staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauerei in München | 1.Preis der Dannerschen Kunstgewerbestiftung
1995 bis heute | Mitarbeiterin Organisationteam der Ingolstädter Jazztage
1990 | Staatliche Fachoberschule Augsburg, Ausbildungsrichtung Gestaltung
1970 | geboren in Ingolstadt

 

 

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Bilder ©K10 | Petra Kleine

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