Petra Kleine

Petra Kleine

amely deiss 348Amely Deiss eröffnete am Samstag mit "Die Kunst der Faltung – Einknicken oder Kante zeigen" ihre letzte Ausstellung in Ingolstadt. Die Kuratorin und stellvertretende Leiterin des Museums für konkrete Kunst Ingolstadt wird nach Erlangen gehen und dort das Kunstpalais leiten.

Die erste Ausstellung, die sie 2013 unter der neuen Leitung von Simone Schimpf kuratierte, war "S(ch)ichtwechsel. Neue Blicke auf die Sammlung“. Sie präsentierte Werke aus der hauseigenen Sammlung Konkreter Kunst als fulminante Petersburger Hängung an der großen Museumswand und machte damit Furore. „Weiblich, jung, konkret“ titelte der Donaukurier hoch begeistert. Deiss hat, so Kulturredakteurin Karin Derstroff, die Alten Meister gründlich entstaubt, durch neue Zusammenhänge.

Die Winterlounge ist mehr als nur ein stimmungsvoller Event. Natürlich kann man hier einfach nur weihnachtlich genießen und findet dazu eine besonders schöne Atmosphäre. Und man sollte es unbedingt auch tun! Doch es schwingt an diesem Ort noch etwas anderes mit, etwas, das Ingolstadt ausmacht. Die Winterlounge hat im Moritzhof eine Geschichte weitergeschrieben, die wieder eine Gründungsgeschichte sein könnte. Das Potenzial ist da, um Ingolstadt und sein Zentrum mit neuer Qualität und Pioniergeist weiter zu entwickeln.

Dort zwischen Pfeifturm, Kirche und Rathaus ist ein Ort, an dem man persönlich erfahren kann, wie wichtig Künstler, Kulturschaffende und Kreativ-Unternehmen grundsätzlich und besonders für unsere Stadt sind. Hier zeigt sich das, was man in allen Berichten über die so benannte Kultur- und Kreativwirtschaft lesen kann: sie trägt zur Indentität einer Stadt bei, sie schafft und erobert neue Räume, bringt Atmosphäre und Begegnung, belebt die (Innen-)Stadt, macht sie zum Erlebnis, hält Wertschöpfung in der Region und erkennt die Schätze eines Ortes. Und weil Klaus Richters nicht nur Event-Organisator, sondern Event-Gestalter, kann viel von dem wirken, was er im und um den Moritzhof vorgefunden hat. Setzen wir uns also in die Winterlounge, blicken wir von der historischen Terrasse durch die Rathausarkaden auf den kleinen Handwerkskunstmarkt - und sprechen wir über einige Menschen, die in unserer Stadt professionell schöpferisch arbeiten als Künstlerin und Kreativwirtschaft, als Gestaltende und Pioniere, die alte Räume neu erobern. 

Freitag, 22 Februar 2013 22:29

Die Busse, die Linien und die Konkrete Kunst

Die Konkrete Kunst, Gebrauchsgrafik  und Produktdesign stehen in einem engen Zusammenhang. Das wurde in den Ausstellungen im Ingolstädter Museum für Konkrete Kunst MKK immer wieder schön gezeigt. So war es auch sachlich durchaus naheliegend, dass Busse der INVG nicht nur zur Wirtschafts-Werbung, sondern auch für bzw. mit Konkreter Kunst gestaltet wurden. Der damalige Museumsleiter Peter Volkwein, er verstarb 2002, hatte seine guten Kontakte zu den „Konkreten" genutzt, um sie für das städtische Kunst-Bus-Projekt zu gewinnen. Er brachte damit die Konkrete Kunst auf die Straße und unter das Volk und hat so auch versucht mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass diese Kunstrichtung besonders abgehoben und unverständlich sei.

INVGbusse alle3 johnmüller

Marcello Morandini war 1992 der erste der international renommierten Künstler und hat einen schwarz-weiß gemusterten Bus gestaltet. Der rot-blaue Josef Linschinger-Bus kam 1997 hinzu. Im Sommer 2000 war es der Schweizer Hans-Jörg Glattfelder, der konkrete Kunst als bunte Rauten in den Verkehr brachte. „Glattfelder, international anerkannter Vertreter der Konkreten Kunst hat schräggestellte „fliegende Rhomben" in kräftigen Farben gewählt, die in einem swingenden Rhythmus das horizontal-vertikal geprägte Stadtbild aufbrechen sollen, deren Anordnung aber den Grundregeln der Konkreten Kunst entsprechen." beschrieb damals die INVG das Werk des Künstlers in ihrer Zeitung „Haltestelle".

DINVG-308x435ie INVG hätte diese Reihe auch gerne weitergeführt, denn die Reaktionen aus der Bevölkerung auf diese fahrbaren Exponate konkreter Kunst waren rundum positiv. Im Straßenbild sind sie immer aufgefallen, man freute sich, wenn man einen „Konkreten" erwischte.

Doch wie kommen wir überhaupt dazu, über die „konkreten Busse" nachzudenken, die inzwischen aus Altersgründen längst nicht mehr fahren (wo sind eigentlich die Kunst-Karosserien der ausgemusterten Busse hingekommen?).  Anlass hier etwas in der Vergangenheit zu schwelgen und in die Zukunft zu denken ist eine neue Werbung der INVG:  Konkrete Kunst? Die Buslinien der INVG. Damit scheinen sich Verkehrsgesellschaft und Museum nun doch wieder etwas anzunähern, die INVG gibt auf alle Fälle wieder positive Signale. Und wir wissen, dass Dr. Simone Schimpf, die neue Leiterin des Museums, auch schon einmal auf dieses Kunst- Bus-Projekt angesprochen worden war, lose nur und nur am Rande – doch es wird sicher noch konkreter werden. Simone Schimpf muss nun erst einmal in Ingolstadt ankommen. Im April ist es soweit. Dann begrüßen wir sie freundlich und kunstaffin mit dieser „konkreten" INVG-Werbung. Vielleicht fahren sie uns dann ja sogar zur Eröffnung des Museums Konkrete Kunst und Design – die neuen „konkreten" Busse der INVG. Schön wär's.

stadttheater helmutBauerZwei Bauwerke nur kann jeder Landesverband des Bund Deutscher Architekten BDA für den Architekturpreis Nike 2013 „Klassik Nike" vorschlagen.

Der BDA Bayern hat dafür das weltbekannte Olympiagelände und Zeltdach in München (Architekten Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Carlo Weber) ausgewählt und das Stadttheater Ingolstadt, von den Architekten Hardt-Waltherr Hämer und Marie-Brigitte Hämer-Buro. Mit diesem besonderen Architekturpreis „Klassik Nike" soll der Wert in Gestalt und Funktion eines Bauwerks oder einer stadtbaulichen Arbeit ausgezeichnet werden.

Dr. Dietmar Schenk, Leiter des Archivs der Universität der Künste Berlin, der auch das Hämer - Archiv betreut, konnte die Nominierung nicht persönlich entgegen nehmen. So hat er kurzfristig die Ingolstädter Architektin Marianne Mang gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Lydia Haack, die stellvertretende Vorsitzende des BDA Landesverbandes Bayern, hat dabei die Laudatio auf das Stadttheater Ingolstadt und das Olympiagelände und Zeltdach gehalten.

In ihrer Dankesrede zur Nominierung erinnerte Marianne Mang an die Leidenschaft und Intensität Hardt-Walther Hämers, mit der dieser sich für das Bauwerk einsetzte und der Ingolstadt zeitlebens verbunden war. Sie hob die Bedeutung dieses Hauses für das kulturelle und gesellschaftliche Leben hervor, die es neben der architektonischen und stadträumlichen Qualität auszeichnet. Die Nominierung durch den BDA sollte, so Mang, dieses wegweisende und bewährte Haus auch wieder stärker in das Blickfeld der Fachwelt über die Grenzen Ingolstadts hinaus rücken.

Prof. Fritz Auer, der die Urkunde für die Nominierung des Olympiageländes und Zeltdaches entgegennahm, ging in seiner Rede auch noch einmal auf die Qualität, Einmaligkeit und Sonderstellung des Theaters ein, bevor er sich für die Nominierung des Olympiageländes bedankte.

Hardt-Walther Hämer, der im September letztes Jahr verstarb, war zuletzt zu seinem 90. Geburtstag im April 2012 in Ingolstadt gewesen, anlässlich der öffentlichen Feier, die Stadt und Kunstverein für ihn gegeben hatten. Dabei hatte er noch einmal die Wertschätzung der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger für das Stadttheater erfahren und auch, dass die aktuelle Sanierung in seinem Sinne durchgeführt werde.

Diese Nominierung ist auch für die Stadt Ingolstadt von Bedeutung, weil dieser Architekturpreis erstmalig ausgelobt wurde und dabei nicht nur die Architekten gewürdigt werden, sondern ausdrücklich auch die Bauherren.

Der Architekturpreis „Nike" Der Bund Deutscher Architekten BDA will mit der Verleihung des Architekturpreises „Nike" die Qualität des Planens und Bauens heben und die Bedeutung guter Architektur öffentlich bewusst machen. Der Architekturpreis wird gleichermaßen an den Architekten und den Bauherrn eines Bauwerks oder für eine stadtplanerische Leistung verliehen. Mit der Vergabe des Preises wird ein herausragender Beitrag zu Architektur und Städtebau gewürdigt, an dem die Vielfältigkeit architektonischer Qualitätskriterien offenbar wird. Die Vermittlung dieser Kriterienvielfalt und von Möglichkeiten ihrer Umsetzung soll anhand der gebauten Beispiele das allgemein Bewusstsein für gute Architektur fördern und die Ziele des BDA nachdrücklich sichtbar machen. Der Architekturpreis „Nike" würdigt gleichermaßen den Architekten wie den Bauherrn, der mit seinem besonderen Engagement den Erfolg eines Projektes wesentlich mitbestimmt.

 

Bild: Stadttheater Ingolstadt, 1966, c: Helmut Bauer

Stadttheater für Architekturpreis Nike Klassik nominiert

 

Zwei Bauwerke nur kann jeder Landesverband des Bund Deutscher Architekten BDA für den Architekturpreis Nike 2013 „Klassik Nike“ vorschlagen.

 

Der BDA Bayern hat dafür das weltbekannte Olympiagelände und Zeltdach in München (Architekten Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Carlo Weber) ausgewählt und das Stadttheater Ingolstadt, von den Architekten Hardt-Waltherr Hämer und Marie-Brigitte Hämer-Buro.

Mit der „Klassik Nike“ soll der besondere Wert in Gestalt und Funktion eines Bauwerks oder einer stadtbaulichen Arbeit ausgezeichnet werden

 

Dietmar Schenk. Leiter des Archivs der Universität der Künste Berlin, der auch das Hämer - Archiv betreut, konnte die Nominierung nicht persönlich entgegen nehmen. So hat er kurzfristig die Ingolstädter Architektin Marianne Mang gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen.

Lydia Haack, stellvertretende Vorsitzende des BDA Landesverband es Bayern, hat dabei die Laudatio auf das Stadttheater Ingolstadt und das Olympiagelände und Zeltdach gehalten.

 

In ihrer Dankesrede zur Nominierung erinnerte Mariann Mang an Leidenschaft und Intensität Hardt-Walther Hämers, mit der dieser sich für das Bauwerk einsetzte und der Ingolstadt zeitlebens verbunden war. Sie hob die Bedeutung dieses Hauses für das kulturelle und gesellschaftliche Leben hervor, die es neben der architektonischen und stadträumlichen Qualität auszeichnet. Die Nominierung durch den BDA sollte, so Mang, dieses wegweisende und bewährte Haus auch wieder stärker in das Blickfeld der Fachwelt über die Grenzen Ingolstadts hinaus rückt.

Prof. Fritz Auer, der die Urkunde für die Nominierung des Olympiageländes und Zeltdaches  entgegennahm ging in seiner Rede auch noch einmal auf die Qualität, Einmaligkeit und Sonderstellung des Theaters ein, bevor er sich für die Nominierung des Olympiageländes bedankte.

 

Hardt-Walther Hämer, der erst vor kurzem verstarb, war zuletzt im April 2012, zu seinem 90. Geburtstag, in Ingolstadt gewesen, anlässlich der öffentlichen Feier, die  Stadt und Kunstverein für ihn gegeben hatten. Dabei hatte er zuletzt noch einmal die Wertschätzung der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger für das Stadttheater erfahren. Es ist übrigens das jüngste bayerische Baudenkmal.

 

Diese Nominierung ist auch für die Stadt Ingolstadt von Bedeutung,  weil dieser Architekturpreis erstmalig ausgelobt wurde und dabei nicht nur die Architekten gewürdigt werden, sondern ausdrücklich auch die Bauherren.

 

http://www.bda-bayern.de/aktuelles/veranstaltungen/artikel/2013/02/04/bda-preis-bayern-2013.html

 

Zur Geschichte des bauwerks Stadttheater http://www.theater.ingolstadt.de/geschichte_des_stadttheaters.cfm

 

Der Architekturpreis „Nike“

Der Bund Deutscher Architekten BDA will mit der Verleihung des Architekturpreises „Nike“ die Qualität des Planens und Bauens heben und die Bedeutung guter Architektur öffentlich bewusst machen. Der Architekturpreis wird gleichermaßen an den Architekten und den Bauherrn eines Bauwerks oder für eine stadtplanerische Leistung verliehen. Mit der Vergabe des Preises wird ein herausragender Beitrag zu Architektur und Städtebau gewürdigt, an dem die Vielfältigkeit architektonischer Qualitätskriterien offenbar wird. Die Vermittlung dieser Kriterienvielfalt und von Möglichkeiten ihrer Umsetzung soll anhand der gebauten Beispiele das allgemein Bewusstsein für gute Architektur fördern und die Ziele des BDA nachdrücklich sichtbar machen. Der Architekturpreis „Nike“ würdigt gleichermaßen den Architekten wie den Bauherrn, der mit seinem besonderen Engagement den Erfolg eines Projektes wesentlich mitbestimmt.

 

 

 

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Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich für den Gründerpreis Ingolstadt 2013 beworben haben, wurden am Mittwoch bei der Abgabeparty  vorgestellt. Gastgeber war der Donaukurier, der auch Juroren und Netzwerkpartner in das DK Forum zur Präsentation und zum anschließenden Netzwerken eingeladen hatte. Anfang März wird die Jury entscheiden, welches Unternehmen mit dem Gründerpreis 2013 ausgezeichnet wird, der mit attraktiven 10.000 € dotiert ist. Am 9. April ist die Prämierungsfeier - bis dahin bleibt es also spannend.

K10 war als offizieller Netzwerkpartner des Gründerpreises dabei. Überraschend war, dass ein Großteil der Bewerbungen aus der regionalen Kreativwirtschaft kam. Mit den P.R. tWins, Timu Einemann und Franz Peters, hat sich erstmals sogar eine Pop-Band für den Business-Preis beworben.

SandraW290x435Sandra Waldemair ist die Schöpferin der kleinen Katze, die das Maskottchen des Jungen Theaters Ingolstadt werden wird. Noch ist das Stofftier namenlos, doch seit ein paar Wochen werden Vorschläge gesammelt. Vor Weihnachten noch wird sich die Leitungsrunde des Stadttheaters zur Namensauswahl zusammensetzen, fast möchte man schreiben die große Leitungsrunde: der Intendant des Stadttheaters, Knut Weber, Julia Mayr natürlich, als Leiterin des Jungen Theaters, die Dramaturgie mit Donald Berkenhoff, Gabriele Rebholz und Sophie Scherer sowie Sonja Druyen und Hannah Lau von der Öffentlichkeitsarbeit des Hauses. Aus einer Reihe von Vorschlägen, die über die sozialen Netzwerke und vom Theaterpublikum gemacht wurden, wird der Name für die kleine Theaterkatze ausgewählt werden. Auch Sandra Waldemair hat natürlich eine Idee für ihre Katze eingebracht und ist nun gespannt auf das Ergebnis. (s. unten UPDATE).

Wie kommt eine gelernte Optikermeistern dazu, beruflich alles zu ändern und sich dem Gestalten und Herstellen von Kuscheltieren zuzuwenden, dies zur neuen Erwerbsgrundlage und professionell zu machen?

Dead vs. Alive - tote Dichter, dargestellt von Ensemblemitgliedern des Stadttheaters, treten im Wettstreit der Worte gegen zeitgenössische, höchst lebendige Slampoeten der freien Szene aus Berlin, Eichstätt, Rosenheim und Köln an.

Es war ein furioser Abend, der mitgerissen und rundum alle Sinne, Geist und Emotion angesprochen hat. Literatur mit Witz, Wahn und Wahrheit, Emotion und Eloquenz, Querdenken und Seelenqual.

Voller Symbole und Mystik war die Videokunst von Cendra Polsner (Eichstätt), die nicht nur Atmosphäre schaffte, sondern manchem Beitrag das gewisse Etwas gab. Interessant auch, welche Texte die Ensemblemitglieder für sich ausgesucht hatten. Eine starke Auswahl! Poetry Slam ist gute Wortkunst, hat was zu sagen und macht Spaß macht, das hatte man erwartet. Unerwartet stark waren die „toten“ Dichter und Dichterinnen - von mancher möchte man gleich mehr lesen.

Das Ingolstädter Publikum zeigte sich von seiner besten Seite und hat den Wettbewerb um den Siegerpreis – eine Flasche Whiskey – kräftig angeheizt. Es wusste auch die ernste Bekenntnislyrik zu würdigen, die sich gut behaupten konnten zwischen Berliner Wortwitz (Till Reiners), Rhythmus (großraumdichten) und Empörungskritik (Florian Cieslik).

Wer zuletzt vorn lag, ins Finale kam und siegte – nebenbei gesagt die lebenden Dichter – ist letztlich nicht so wichtig. Der Wettstreit, die 5-aus-dem-Publikum-Jury, die Applausskala sorgten lediglich für einen zusätzlichen Spaß an diesem Abend. Der echte Genuss waren die Texte, die Performance der WortkünstlerInnen, die Dichter-Darsteller und die Videoeinspielungen.

Der Stuttgarter Slammer Hanz führte charmant und witzig durch den Abend und startete mit "featured artist"Julius, Singer-Songwriter aus Hannover, der mit seinen abgespacten Songs über Aliens und andere Beobachtungen sowie einer Mischung aus Stimme, Strom und Selbstironie einen ganz eigenen Akzent setzen konnte – höchst vergnüglich!

Florian Cieslik aus Köln trat als erster an und legt den Maßstab – hoch. Was regt uns eigentlich noch auf? Gesellschaftskritik zwischen Büchners Danton und Stéphane Hessels „Empört euch!“ Erkenntnis: Aus Ruinen aufzustehen ist schwer, aus Federbetten umso mehr!

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Die zentrale Figur des Monologs „Meine gottverlassene Aufdringlichkeit“ ist eine - eigentlich kunstleidenschaftliche - Kunsthistorikerin. Mit ihrer Bildungs-Biographie kann sie für Kreative oder Kulturschaffende unserer Zeit stehen, denn einer ihrer Zweifel nährt sich daraus, nichts Anderes, Brauchbareres studiert zu haben. Die Anstrengung Kunst, Kreativität und Wirtschaft zusammen zu bringen zeigt sich im Kleinen (sie kann kaum von ihren Texten leben) und auch im Großen, wenn es um den Wert von Kunst, kreativen und kunst-nahen Berufen geht.

"Wahrscheinlich bin ich Kunsthistorikerin geworden,
weil ich für die wirkliche Wertschöpfung zu unbeholfen bin."

Das Stück von Christoph Nußbaumeder stand im September noch gar nicht auf dem Spielplan des Stadttheaters, wurde ohnehin gerade erst in Berlin uraufgeführt - und geht nun schon in Ingolstadt auf die Bühne. So schnell geht's, wenn ein Dramaturg und Regisseur wie Donald Berkenhoff in engem Kontakt mit Theaterszene und Autoren ist und ein Gefühl für relevante Themen hat – und wenn eine Schauspielerin wie Denise Matthey genau diesen Stoff unbedingt spielen will.

Der Autor und Dramatiker Christoph Nußbaumeder ist inzwischen erfreulich vielfältig mit Ingolstadt verbunden. Er gilt als neuer Vertreter des kritischen Volksstücks, in Nachfolge von Marieluise Fleißer oder Franz Xaver Kroetz. Letztes Jahr hat er Fleißers Roman „Eine Zierde für den Verein“ für die Bühne bearbeitet (UA Okt. 2011 in Ingolstadt). Seine Familiengeschichte „Eisenstein“ wurde im Januar 2012 hier gezeigt. Beide Male sehr erfolgreich inszeniert von Donald Berkenhoff, der offenbar der Meinung ist, Nußbaumeder und die Fleißerstadt Ingolstadt sollten unbedingt und viel miteinander zu tun haben. Und Ingolstadt honoriert dies bisher mit hohen Besucherzahlen und der zunehmenden Freude an der lebendigen Auseinandersetzung mit den gesellschaftskritischen Texten von Fleißer und Nußbaumeder.

bild wohnung donaustrasse280x187Am 1. Dezember hat nun Nußbaumeders "Monolog für eine Frau" Premiere. Denise Matthey spielt die junge Frau um die 30, mit einem Lebenslauf vieler in ihrer Generation, die inzwischen als akademisches Prekariat bezeichnet wird: überdurchschnittlich gebildet, unterdurchschnittlich bezahlt, freiberuflich und mit einem einkommensunsicheren Status.

Für die Aufführung hat die Unternehmerin Veronika Peters dem Theater die Türen geöffnet. Die "Downtown"-Bühne ist dieses Mal eine leerstehende 50er-Jahre-Altbauwohnung in der Donaustraße. Noch mehr Nähe und Realität also für diesen sehr intimen Text, der schon beim Lesen des Stückes, auch unangenehm, berührt. Es ist dabei nicht die Einsamkeit oder der Selbstzweifel der Figur, die Interesse weckt. Es sind eher diese nächtlichen Gedankenkreise und die realen Bezüge, die nachhaltig beschäftigen, wen man sich auf Nußbaumeders Figur einmal eingelassen hatte. Versatzstücke ihres Monologs begegen uns und irritieren: hat man das im Stück gelesen, letztens im Gespräch gehört oder gar selbst gedacht?

Das Stück ist also nachspürbar aktuell und relevant, deshalb veränderte es sich im Lauf der Proben, wenn sich Regisseur, Darstellerin und immer wieder auch der Autor mit der Inszenierung beschäftigen und ihre unterschiedlichen Lebensperspektiven einbringen. Nußbaumeder (34) und Denise Matthey (29) gehören dabei selbst zur Generation ihrer Protagonistin und Berkenhoff läßt z.B. die Fleißersche Erfahrung mit einfließen. Das Ende ist geschrieben und auch noch offen … Man darf auf die Ingolstädter Fassung also gespannt sein.

gottverlassene zeichnung312Donald Berkenhoff führt auf der facebook-Seite des Stadttheaters  mit kleinen Text- und Bildeinspielungen zur Figur hin und zeigt auch einen Bezug zu Marieluise Fleißer auf: „Was tun, wenn man aufs falsche Pferd gesetzt hat? Wenn man etwas studiert hat, für das man sich wirklich interessiert hat? Mit Leidenschaft sich den Künsten verschrieben hat, dann aber feststellt, es gibt keinen Markt mehr für diese Künste? Die junge Frau hat ein erfolgreiches Studium hinter sich. Sie hat sich überall beworben. Bei jedem Museum, bei jeder Galerie. Sie landet da, wo man Kunst nur noch als Ware sieht. Im Auktionshaus. Sie schreibt Texte, die die Versteigerer ablesen. Also Marketingabteilung. Und hier geht es nicht um Epoche, Maler, Technik, hier geht es um eingängige Slogans, Pseudolyrik und Kitsch, um den kunstUNverständigen Sammler, der Werte anlegen möchte, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das könnte so gut wie jeder. Aber ein Name und ein akademischer Grad unter dem Text machen diesen wertvoller. Und so entstehen in der Nacht die Gedanken: Was hätte sie anders, besser machen können? Im Gehirn entstehen die Alternativen zu ihrem Leben, doch im Alltag versagt die Kraft dieses Leben zu leben. Hier gibt es durchaus Parallelen zu Fleißers "Avantgarde" zu entdecken. Was muss man tun, um in dem Beruf, für welchen man sich "berufen" fühlt, zu arbeiten? Und was ist Arbeit noch wert? Arbeit am Computer, das Verschicken von Dateien? Die einen verschieben Kunstwerke, die anderen Nahrungsmittel, die noch gar nicht hergestellt wurden. Die einen verdienen sich eine goldene Nase, die anderen leben unterhalb der Armutsgrenze. Akademisches Prekariat."

Unbedingt anschauen!   

 

peters tor610x248Premiere am Do., 1. Dezember 2012
20.00 Uhr
Down-Town


Petersche Höfe, ehem. Firmen- und Wohngebäude von Gebr. Peters
Zugang über das Tor zwischen Donaustraße 3 und 5

 

Christoph Nußbaumeder, *1978 in Eggenfelden/Niederbayern; studierte Rechtswissenschaften, Germanistik und Geschichte in Berlin. 2005 erlebte sein Stück »Mit dem Gurkenflieger in die Südsee« die Uraufführung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen,danach folgten weitere Uraufführungen u. a. an der Schaubühne am Lehniner Platz (Berlin), Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Bochum. Mit »Meine gottverlassene Aufdringlichkeit« wird bereits das dritte Stück von Christoph Nußbaumeder, wieder in der Regie von Donald Berkenhoff, am Stadttheater Ingolstadt inszeniert.
Nußbaumeder gehört übrigens auch zur AUTONAMA, der Fußballnationalmannschaft der deutschen Autoren und hat im 2009 als Mannschafts-Kapitän, u.a. mit Albert Ostermaier und Moritz Rinke, gegen eine Ingolstädter Promimannschaft gespielt (DK, 26.4.2009, Von Dichterfürsten und Flankengöttern).

Donald Berkenhoff, Regisseur, Dramaturg, arbeitete u.a. an den Staatstheatern in Stuttgart, Kassel und Karlsruhe. Lange bevor er wusste, dass er einmal in Ingolstadt arbeiten würde, hat er seine Magisterarbeit über die Dramen von Marieluise Fleißer geschrieben. »Fegefeuer in Ingolstadt« hat er an den Städtischen Bühnen Münster inszeniert. Mit Christoph Nußbaumeder, der in der Presse öfter als der »legitime Enkel« der Fleißer bezeichnet wurde, verbindet ihn die Zusammenarbeit bei den Inszenierungen »Eine Zierde für den Verein« und »Eisenstein«, beide in der Spielzeit 2011/2012 am Stadttheater Ingolstadt.

Bild: Selbstportrait von Denis Matthey, gezeichnet während der Proben zum Stück

Fotos: Hannah Lau, Stadttheater Ingolstadt

www.theater.ingolstadt.de

Die Premiere am 1. Dezember ist bereits ausverkauft. Weitere Termine:
7., 16., 20. Dezember
3., 12., 16. und 25. Januar 2013
Karten gibt es unter Telefon (08 41) 30 54 72 00

 

 

Die Pressemitteilung zu Eröffnung der kunstmesse ingolstadt 2012 war knapp und sachlich und doch konnte sie die Freude darüber nicht verbergen, dass Staatsministerin Christine Haderthauer nun doch die kunstmesse 2012 eröffnen kann. Mit 77 Künstlerinnen und Künstlern aus dem bayerischen Donauraum, davon mehr als 30 aus der Region 10 und Ingolstadt, wird am Donnerstagabend, 21.6.2012 im Klenzepark die zweite kunstmesse ingolstadt eröffnet. „Die Veranstalter, der Berufsverband Bildender Künstlerinnen  und Künstler Ingolstadt, die Stadt Ingolstadt und die Messeleitung freuen sich, dass die Frau Staatministerin sich für die Bildende Kunst im bayerischen Donauraum so stark macht.“ freuen sich die Veranstalter zu Recht. Die prominente öffentliche Präsenz trägt natürlich zur Wertschätzung der Bildenden Kunst bei und ist auch als fachliches Kompliment an die Professionalität der Veranstalter zu verstehen. Zur Eröffnung um 19 Uhr spricht zudem zur Begrüßung der Oberbürgermeister von Ingolstadt Dr. Alfred Lehmann sowie BBK Vorstand Richard Gruber. Kunst kommt – wir freuen uns!

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