Mittwoch, 11 Juli 2012 06:01

Michael Mrozek entwickelt Pandora ... und kann nicht nur spielen

von

mrozek schmalAuf der Cebit 2010 hat die Weltpremiere des Open-Source-Spiele-Handheld Pandora (auch) aus Ingolstadt für mehr Aufsehen gesorgt, als manch neue Produktionen von Nintendo und Co. Der neue Handheld begeisterte nämlich nicht nur Open-Source-Fans und Spiele-Enthusiasten, sondern hält auch der Geschäftsstrategie der Großen in der Spiele- und Computer-Branche etwas entgegen,  die die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten für die Geräte immer mehr einschränkt.

Pandora steht dabei nicht nur für ein innovatives und gelungenes Produkt, sondern auch  für die neuen Unternehmensformen und Finanzierungsmodelle, die aus der Kreativwirtschaft heraus die anderen Branchen beeinflussen werden. Produktentwicklung in Netzwerken und Communities, der offene Austausch von Knowhow und Ideen, Finanzierung über Crowdfunding, absolute Nutzerorientierung und -beteiligung und vor allem Open Source sind die wesentlichen Aspekte dabei.  

Der Ingolstädter Michael Mrozek (Bild) ist maßgeblich an der Entwicklung dieses Handhelds beteiligt. Er ist Geschäftsführer der Film- und Medien-Gmbh gepixelt und seit 2008 einer der Pandora-Väter. Seit vielen Jahren als EvilDragon in den Communities unterwegs ist er bestens vernetzt als Spieler, Händler und nun auch Entwickler.

Wer die Innovation und die Nutzer-Vorteile verstehen will, die mit Pandora verbunden sind, muss sich kurz mit den Geschäftsmodellen der großen Spielkonsolen- und Gerätehersteller wie Sony, MicroSoft u.a.beschäftigen. Sie verfolgen die Idee gezielt Software zu entwickeln, die ausschließlich auf bestimmter Hardware laufen kann, beides ist also miteinander gekoppelt. Für jedes Gerät und jede Situation muss zudem ein eigenes kleines Programm entwickelt werden, das nur für einen Anwendungsfall bestimmt ist. Installieren kann man diese "Apps" über vom Hersteller kontrollierte Kanäle, unabhängig davon ob kostenlos oder für bares Geld.

Diese Entwicklung müssen Normalverbraucher hinnehmen. Spiele-Enthusiasten, Open-Source-Nutzer und die Homebrew-Scene versuchen längst diese Koppelungsstrategie und die Kontrolle der Hersteller zu umgehen, um selbstentwickelte Programme installieren zu können. Via Internet können Anleitungen, Tools und Zusatzgeräte kostenfrei oder bezahlt abgerufen werden.

team pandora

Und spätestens hier trifft man nun auch wieder Michael Mrozek und die anderen Väter von Pandora: Michael Weston (Kanada), Craig Rothwell (England) und Mehmet Fatih Kilic (Türkei). Denn die beschriebenen online-Communities sind für Hersteller längst ein Markt, um Geräte anzubieten, die man eben „offen“ nutzen kann. Viele dieser Produkte waren bisher eher leistungsschwach oder einfach Billigprodukte und so kam es, dass sich vier fragten sich, ob es nicht möglich sei ein Gerät herzustellen, das den heutigen Anforderungen und Bedürfnissen der Community entspricht. Sie gründeten als Open Pandora Team (OPT) eine Firma und entwickelten dann den aktuell einzigen vollkommen offenen Linux Gaming-Mini-PC weltweit. Der deutsche Firmensitz ist in Ingolstadts Altstadt in der Schäffbräustraße.

Geprüft, diskutiert und mitgedacht wurde das neue Gerät über die weltweite Spiele-Community auf  www.gp32x.com oder www.gp2x.de, die auch die Entwicklungskosten durch Vorbestellungen, Spenden und Sponsoren organisiert hat. Vom Startschuss in 2008 bis zur ersten Präsentation auf der cebit 2010 gab es unzählige Hochs und Tiefs, selbst der Vulkanausbruch in Island spielte eine Rolle  – wunderbar erzählt übrigens von Community-Mitgliedern z.B. auf www.pandora-powernet.de

 

... kann nicht nur spielen, der Handheld für Retrogamer und Linux-Fans

Mit Pandora wird hier auf K10 nicht nur innovative Produktentwicklung vorgestellt, sondern auch gezeigt, dass Communities und Open-Source-Enthusiasten beispielhaft beitragen zu neuen Unternehmens- und Arbeitsformen, die Kreativwirtschaft jenseits der großen Spieleindustrie kreativ und unternehmerisch denken.

Zuletzt nun technische und Nutzungs-Details des Open-Source-Handhelds Pandora, mit dem man eben nicht nur spielen kann.

  • Komplett offenes System - in keiner Weise eingeschränkt
  • Spiele, Programmiere, Kompiliere, Surf im Netz. Überall.
  • Boote vom internen Speicher oder ein anderes OS von SD.
  • Speziell für Linux entwickelt.
  • Lebt durch die Community - für die Community.
  • WiFi, Bluetooth, USB 2.0 Host, Zwei SDHC-Slots, TV Out.
  • Schnelle CPU sowie 3D GPU, 800x480 4,3" Touchscreen
  • Zwei analoge Controller und ein digitales DPad für Spiele
  • 43 Tasten QWERTY und numerisches Keypad
  • Internet, GPS, e-Mails, Büroarbeit mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation - alles ist möglich
  • 10+ Stunden Akkulaufzeit

Mehr Infos, Bestellmöglichkeite, Nutzerhinweise und Communities auf www.openpadora.org  oder vielleicht auch einfach mal im Ingolstädter Pandora-Büro vorbeischauen...

 

Die Pandora nutzt eines der leistungsfähigsten SoC (System on a Chip), welches momentan auf dem Markt ist: Das OMAP3530. 

  • Texas Instruments OMAP3530 processor at 600MHz (offiziell)
  • 512MB DDR-333 SDRAM
  • 512MB NAND FLASH Speicher
  • IVA2+ Audio und Video Processor, verwendet TI's DaVinci™ technology (430MHz C64x DSP)
  • ARM® Cortex™-A8 superscalar microprocessor core
  • PowerVR SGX530 (110MHz offiziell) OpenGL ES 2.0 zertifizierte 3D hardware
  • eingebautes Wifi 802.11b/g (bis zu 18dBm Leistung)
  • eingebautes Bluetooth 2.0 + EDR (3Mbps) (Klasse 2, + 4dBm)
  • 800x480 LTPS LCD mit rezitivem Touchscreen, 4.3" widescreen, 16.7 Millionen Farben (300 cd/m2 Helligkeit, 450:1 Kontrastverhältlnis)
  • Zwei analoge Controller
  • Komplette Spielsteuerung (Buttons, DPad und L/R)
  • Zwei SDHC Kartenslots (bis zu 64GB Speicher im Moment möglich)
  • Kopfhörer-Ausgang bis zu 150mW/Kanal mit 16 ohms, 99dB SNR (bis zu 24 bit/48KHz)
  • TV Ausgang (FBAS und Y/C (S-Video))
  • Eingebautes Mikrofon. Über ein Headset kann zudem noch ein externes Mikrofon angeschlossen werden
  • Stereo-Ein- und Ausgänge (Line-Pegel)
  • 43-Tasten QWERTY und Tasten-Zahlenreihe
  • USB 2.0 OTG port (1.5/12/480Mbps), über welchen das Gerät auch geladen werden kann
  • USB 2.0 HOST port (480Mbps), der volle 500mA an angeschlossene Geräte liefern kann (z.B. USB Speicher, Tastatur, Maus, 3G Modem GPS)
  • bis zu zwei externe UARTs und / oder vier PWM-Signale für Hardware-Hacking, Robotersteuerung, Debugging, etc.
  • un-brickbar dank integriertem Bootloader
  • Power und Hold Schalter, welcher für "Sofort An" und Tastensperre verwendet werden kann
  • Läuft mit Linux (Kernel 2.6.x)
  • Maße: 140x83.4x27.5mm
  • Gewicht: 335g (inkl. 4000mAh Akku)

 OpenPandora 09

 

(Infos, Bilder: www.openpandora.org)

 

 

Gelesen 14731 mal

K10 auf Facebook